StadtLabor im Freien Radio Kassel: Adoption

Shownotes

Adoption betrifft mehr Menschen als man glaubt – und dennoch findet das Thema in der öffentlichen Wahrnehmung wenig Raum. Im StadtLabor spricht Gastgeber Klaus Schaake mit Eva Yolima über das Leben als Adoptierte, persönliche Erfahrungen und den gesellschaftlichen Umgang mit Adoption. Dabei geht es um Fragen von Herkunft, Identität und Zugehörigkeit ebenso wie um Wünsche nach mehr Offenheit und Sensibilität im Umgang mit Adoptierten. Eine Gespräch über ein Thema, das selten sichtbar ist – und gerade deshalb mehr Aufmerksamkeit verdient.

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00:00:00: Willkommen im Stadtlabor des Freienradios Kassel.

00:00:03: In unserer Sendung vom einundzwanzigsten Mai zwanzig sechs und zwanzi sprechen wir zum Thema Adoption, bei uns zu Gast Eva Jollimer.

00:00:10: Eva du selbst bist ... noch mal?

00:00:15: Bei uns zu gast Eva Jolimer.

00:00:17: Du selbst bist adoptiert und hast dieses Thema an uns herangetragen.

00:00:21: kannst du unsere Hörerinnen und Hörern teilhaben lassen daran was dich als erwachsene Adoptierte bewegt?

00:00:32: Ja, vielleicht fange ich einfach mal an, dass ich in nineteenhundertfünhensebzig nach Deutschland gekommen bin.

00:00:38: Ich wurde als Baby mit neun Monaten von Kolumbien aus adoptiert.

00:00:43: Geboren wurde ich in Borotah und bin in einer Familie aufgewachsen die mit mir sehr liebevoll umgegangen ist mich also wirklich herzlich aufgenommen hat.

00:00:54: aber natürlich ist es so das Thema eigentlich schon ein Sein Leben lang immer beschäftigt dass man einfach, das schon sich mit sich herumträgt und auch wenn man selber Kinder bekommt auf einmal darüber nachdenkt wie es bei der Mutter war die ein geboren hat.

00:01:15: Dass sie einen weggegeben hat.

00:01:17: warum hat sie einen weggegeben?

00:01:18: Das sind einfach so Fragen die einen immer wieder beschäftigen und auf die man oft als Adoptierter keine Antwort bekommt.

00:01:25: und das ist das was glaube ich, viele Adoptierte bewegt und beschäftigt.

00:01:31: Und ich finde es ein bisschen schade dass es sogar nicht so den Austausch gibt mit anderen Adoptierten weil ich weiß das es einige gibt und es gibt zum Beispiel auch keine richtige psychologische Hilfe das habe ich auch schon in Erfahrung gebracht die sich zum Beispiel als Psychologen darauf spezialisiert haben, wie es ist im Umgang mit Erwachsenen adoptierten.

00:01:52: Die natürlich auch ihre Traumatas mit sich herum tragen um das vielleicht mal so auszudrücken und natürlich auch dass man wenn man adoptiert ist vielleicht auch optisch etwas anders aussieht dunkelhäutiger vielleicht auch asiatischer aussieht.

00:02:11: Bei mir ist es so, dass ich durch meinen Äußeres nicht sofort auffalle.

00:02:16: aber natürlich wenn dann die Frage aufkommt Deutsch bist du auch nicht?

00:02:21: das finde ich halt auch mal sehr schwierig weil die Definition von deutsch ist ja gerade heutzutage kann man gar nicht festlegen und da habe ich auch schon diverse Auseinandersetzung mit den Leuten gehabt weil ich gesagt hab was ist denn deutsch?

00:02:35: wie sieht man aus wenn man deutsches Ja, das erst mal so als Einstieg.

00:02:44: Jetzt eine ganz, ganz wichtige Frage die mir jetzt während du gesprochen hast in den Sinn gekommen ist, nineteenhundertfünfundsiebzig.

00:02:54: Du kommst nach Deutschland und wirst nach Deutschland geschickt.

00:02:57: Du wirst in einer Familie aufgenommen und was ich immer einmal gehört habe, ist die Frage sagen wir es dem Kind oder sagen wir is dem Kind nicht?

00:03:07: oder wann sagen wir es den Kind und wie ist in deiner Familie, in der du aufgewachsen bist damit umgegangen worden?

00:03:15: Also mit dieser Thematik.

00:03:17: Das ist eine sehr gute Frage und die habe ich tatsächlich auch schon öfter gestellt bekommen und die hab ich auch schon mit anderen Erwachsenen oder Bekannten, die auch adaptiert sind auch schon mich mit auseinandergesetzt und in meiner Familie war es so, dass dort sehr offen mit umgegangen worden ist.

00:03:34: Und das ich eigentlich von Anfang an wusste, dass ich adoptiert bin und meine Eltern haben mir das so immer gesagt, um das mal auf der kindlichen Ebene auszudrücken Du kommst zwar nicht aus dem Ammer als Bauch, aber wir haben dich genauso lieb und mit diesem Grundsatz bin ich aufgewachsen.

00:03:52: Und da gibt es auch eine schöne kleine Anekdote.

00:03:56: Ich habe noch zwei ältere Brüder und die waren natürlich dann schon da, als klar war dass ich aus dem Ausland adoptiert werde.

00:04:06: Mein Vater war zu dem Zeitpunkt auf einem kleinen hessischen Dorf boflichtätig Und meine Brüder waren auch auf einem Geburtstag und der eine Bruder erzählte, dass er eine Schwester bekommt.

00:04:18: Und das diese Schwester mit dem Flugzeug kommt.

00:04:21: Dann haben die alten Damen auf dem Geburtstag gesagt – ach so nennt man das heute!

00:04:27: Das ist so eine sehr schöne kleine Anekdote, die mich auch immer wieder begleitet durchs Leben und das zeigt aber auch wie offen wie kreativ auch die ganze Familie damit umgegangen ist.

00:04:40: Und das ist immer noch bei uns so ein bisschen so ein kleiner Schenkelklopfer in der Familie.

00:04:44: Ja, okay!

00:04:45: Also das heißt liebe Hörerinnen und Hörern für Sie, auch der Klapperstorch ist im Bereich der Modernisierung sozusagen

00:04:52: unterwegs.

00:04:52: Genau.

00:04:53: Das wurde schon in den neunzehntundertsiebziger Jahren sozusagen gefeiert.

00:04:57: ja sehr schöne Geschichte Eva, kommen wir noch mal zurück.

00:05:02: Ich meine das ist ja jetzt diese deine eigene Geschichte ist ja dann halt auch.

00:05:07: oder da fehlt ein Teil deiner eigenen Geschichte.

00:05:11: und was weißt du darüber wie das irgendwie war?

00:05:16: Wie die Herkunftsverhältnisse waren?

00:05:18: oder jetzt für unsere Hörerinnen und Hörern vielleicht auch mal einfach so die Vorstellung wie geht denn das ganz praktisch?

00:05:23: also weil ich glaube dass es bei vielen von uns eine ganze Menge Klischees gibt, also gerade was das Thema Auslandsadoption angeht.

00:05:35: Weil wir wissen wie schwierig Adoptieren in Deutschland ist und Wir haben auch oder ich habe jedenfalls auch schon mal gehört, dass manche Leute irgendwann halt auch gefrustet gewesen sind und dann irgendwie andere Wege beschritten haben.

00:05:49: Also wir fantasieren jetzt nicht rum sondern wir versuchen es vielleicht mal an deinem Fall ganz konkret klar zu machen von dem was du weißt aus dieser Geschichte heraus.

00:06:01: wie ging das?

00:06:03: Also ich denke, man kann das mit heute nicht mehr vergleichen.

00:06:07: Die Auflagen heute sind natürlich sehr hoch habe ich mir sagen lassen.

00:06:11: Ich selber weiß es jetzt nicht!

00:06:13: Ich weiß auch nur aus den Erzählungen meiner Eltern, dass das in den siebziger Jahren noch relativ einfach war.

00:06:21: Also natürlich mussten Sie diverse Formulare ausfüllen.

00:06:25: Natürlich haben Sie auch sehr lange wohl gewartet aber es war tatsächlich so, dass ich also mit dem Flugzeug an den Frankfurter Flughafen kam Und man hat mich also in Kolumbien ins Flugzeug gesetzt.

00:06:39: Ich hatte wahrscheinlich, das weiß ich aber nicht mehr eines Diures, die sich während des Flugs um mich gekümmert hat und mit mir zusammen kam noch ein anderes Mädchen auch aus Bogota und ja, um das jetzt mal so Salop auszudrücken wurden wir dann meinen Eltern am Flughafen in die Hand gedrückt und das war die Jolli-Mar und das andere war die Elisabeth hieß.

00:06:59: sie glaube ich damals Ja, also das ist heutzutage natürlich anders.

00:07:04: Ich habe auch Kontakt mit anderen Adoptierten aus Südamerika die etwas jünger sind und da ist es ja dann so gewesen dass die Eltern hinreisen mussten und sich wochenlang dort aufhalten mussten.

00:07:16: Das war damals noch nicht so Hat vielleicht auch ein bisschen den Vorteil wenn man als Eltern dort hinreist dass man das Umfeld der Kinder wirklich kennen lernt Und das war zu meiner Zeit einfach nicht gegeben was natürlich auch dem Kinderhandel Tür und Tor offen lässt.

00:07:35: Das ist auch ein weiteres Vorurteil, mit dem ich mich immer wieder auseinandersetzen musste, weil natürlich auch dort es viele schwarze Schafe gibt.

00:07:47: Ich wurde damals über Terreson vermittelt.

00:07:50: die machen das mittlerweile nicht mehr.

00:07:51: Die machen Hilfe vor Ort also die helfen den Familien vor Ort und unterstützen sie.

00:07:58: Terre de Somme kann man auch mit Spenden unterstützen, die machen das nicht mehr weil Sie natürlich ein bisschen in Verhof geraten sind.

00:08:06: Ja also ich meine Terre de Somme hat zumindest für die meisten von uns erstmal grundsätzlich eine hohe Glaubwürdigkeit ja und hat es sicherlich auch in dieser Zeit gehabt.

00:08:18: und vielleicht Wir hatten neulich mal in unserem Büro, hatte ich so eine kleine Gruppe von Menschen eingeladen.

00:08:30: nett miteinander zu sitzen und irgendwie ins Gespräch zu kommen und vielleicht auch mal andere Geschichten zu hören.

00:08:35: Und da gab es bei mir so ein Gänsehautmoment, sage ich mal weil sich da plötzlich Dinge zusammengefügt haben wo ich gedacht habe wie geht das denn?

00:08:45: Du hattest deine Geschichte ein Stück weit erzählt und einen anderen Gast jemanden hier in Kassel an der Kunsthochschule Keramik studiert hatte, erzählte von einem Dozenten in Kassel dessen Eltern in Bogota ein Weisenhaus betreiben und du hast gesagt ich bin eines dieser Kinder.

00:09:09: Also was ist dir da so durch den Sinn gegangen als du das irgendwie gehört hast?

00:09:14: In einer sehr unvorbereiteten Situation?

00:09:18: Ja ich renne mich an die Situation und es war tatsächlich so dass ich mein erster Gedanke war meine Güte wie klein ist die Welt.

00:09:26: Das sind so Momente, wo ich dann immer wieder denke, ja okay meine Herkunft ist ein bisschen anders.

00:09:32: Ich bin nicht in einem Kasseler Krankenhaus geboren.

00:09:35: Meine Mutter kann mir nicht erzählen wie die Geburt war oder wie ihre Schwangerschaft mit mir war.

00:09:41: Das sind dann so Momen, wo auch das wüsste ich gerne und ich würde gerne diesen Kontakt zu den... mittlerweile sind ja die Eltern also Betreiber des Weisenhauses ist ja auch verstorben.

00:09:55: Wie gerne würde ich mit dem Sohn Kontakt aufnehmen?

00:09:57: Vielleicht kann der mir was erzählen, aber das sind so Momente... Ja, ich möchte es einerseits, aber auf der anderen Seite denke ich vielleicht ist es auch besser dass man es nicht weiß.

00:10:07: also ich habe ... ... um zwanzig vierzehn war ich in Kolumbien und auch in Brotar und hab mich ein bisschen auf die Suche nach meinen Wurzeln begeben und habe rausgefunden, Mutter, also die Frau, die mich geboren hat wohl auch schon verstorben ist.

00:10:26: Wobei ich mir nicht wirklich sicher bin ob es diese Frau tatsächlich ist.

00:10:32: Das sind alles so Dinge, die werde ich wahrscheinlich nicht mehr erfahren und natürlich triggert einen das an wenn man so eine Situation hat dann fängt man wieder andere über nachzudenken ja natürlich aber es ist jetzt nicht so dass sich wahnsinnig schockiert war oder so.

00:10:49: aber ich habe einfach gedacht Die Welt

00:10:51: ist klein.

00:10:54: Und jetzt nochmal Bezug nehmt darauf, du hast ja auch gesagt dass es also das gar nicht so große Netzwerke gibt Aber du bist Teil von solchen Netzwerken, also wenn ich das im Vorgespräch richtig verstanden habe dann gibt es ja aus eurer Gruppe damals halt auch noch irgendwie Kontakte untereinander.

00:11:17: Auch vielleicht um sich so ein bisschen in dieser Situation die eine sehr ungewöhnliche Situation ist für die meisten.

00:11:24: Also was das Thema der Nachvollziehbarkeit angeht oder dass nachempfindens besser gesagt und wenn du jetzt davon sprichst, dass du selber nicht so genau weißt ist das eigentlich ein richtig guter Plan da aufzuschlagen in Kolumbien und Nachforschungen anzustellen.

00:11:44: Es ist ja vielleicht auch eine Sache wo man wirklich nicht genau weiß ich sage es mal ein bisschen drastisch wäre dann plötzlich alles zu deinen Verwandten gehören könnte und so weiter.

00:11:56: Also sind das solche Gedanken, wird man da irgendwie auch ein bisschen vorgewarnt wenn man sich jetzt wie jemand wie du in dieser Position in ein solches Land begibt?

00:12:06: Weil für mich ist es anders wenn ich in so einen Land fahre

00:12:10: Ja dann muss ich tatsächlich ein bisschen weiter ausholen um das mal ein bisschen zu erklären.

00:12:15: also wir hatten Zwei-tausend zwölf einen jungen Mann aus Kolumbien als Gaststühler bei uns zu Besuch.

00:12:21: Damals war ich noch verheiratet und der wohnte drei Monate bei uns, besuchte die Colegio Andino in Bogota – die deutsche Schule.

00:12:30: Entschuldigung!

00:12:30: Und wir haben ihn dann zwanzig vierzehn besucht zwei Jahre später und der Vater war oder ist es auch wahrscheinlich immer noch Lungenfacharzt Diese Armenviertel, ich nenne es jetzt einfach mal Salop.

00:12:47: Diese Armen-Viertel in Bogota betreut und ich hatte dann als sich diese Familie besucht hat meine ID Nummer, man bekommt also natürlich so wie hier auch eine Steuernummer, so eine Identitätsnummer und die hatte er.

00:13:01: mit der hat er sich auf die Suche gemacht und hat dann tatsächlich meiner Mutter ausfindig machen können und noch angebliche Geschwister Und da war es dann auch so, dass er mit denen natürlich auch auf Spanisch telefoniert habe.

00:13:14: Weil mein Spanischer bei Weitem nicht ausreicht um sich damit auseinanderzusetzen und sagte mir dann auch überlege ist dir gut ob du den Kontakt möchtest weil die Menschen sehr arm sind und es wirklich auch so ist wenn sie hören das da eine Familie oder ein Familienmitglied aus dem reichen Deutschland kommt Dass dann die UFH besteht, dass du halt einfach auch ausgenutzt wirst Und das habe ich, wir haben dann den Kontakt nicht gesucht.

00:13:40: Wir haben das dann abgebrochen an der Stelle wo er mit ihnen telefoniert hat und natürlich auch immer die Frage ist es wahr?

00:13:47: Stimmt es so wie er das erforscht hat oder hat die Frau unter deren Identitätsnummer meine Mutter ausgehend nicht machen konnte einfach nur eine andere Nummer angegeben und ist sie gar nicht?

00:14:00: also das sind das sind so Dinge die werde ich wahrscheinlich nicht mehr erfahren.

00:14:07: Vorhin auch relativ am Anfang unseres Gesprächs gesagt, dass das Stichwort der Unterstützung psychologische Hilfe für Menschen in einer solchen Lebenssituation irgendwie sind.

00:14:23: Also jetzt mal gerade im Bezug auf Kolumbien hast du da für dich ein Stück weit gesorgt?

00:14:31: unerwartet sind oder die dich irgendwie auf eine gewisse Art und Weise anschriegen, dass du da Unterstützung hast.

00:14:37: Oder hat vielleicht dieser Arzt das so leisten können?

00:14:42: Ja, das ist ja genau der Punkt.

00:14:43: also ich behaupte mal, dass ich selber relativ stabil bin und auch in einer Art und Weise gefunden habe damit umzugehen ein Gespräch mit Freundinnen und Freunden im Gespräch auch mit meiner Familie oder mit meinen mittlerweile erwachsenen Kindern.

00:14:58: aber es ist natürlich so dass das glaube ich, also für meinen Teil fehlt.

00:15:03: Dass man halt wirklich einfach nicht dem gegenüber klarmachen kann oder einem Psychologen oder einem Therapeuten klar machen kann was einen als Adoptierte auch als Erwachsen adoptierte eigentlich beschäftigt.

00:15:19: und das sind nicht nur die Wurzeln es ist vielleicht auch einfach Warum reagiert man in bestimmten Situationen?

00:15:27: Oder wie kann ich... Wie kann ich in bestimmte Situationen anders reagieren, weil es mit meiner Geschichte zu tun hat.

00:15:35: Und das gibt... Also ich glaube schon, dass das ein Feld ist in der Therapie, da's glaub' ich schon sehr speziell ist.

00:15:43: Es ist meine Tee so und ich glaube, dass schon das so

00:15:46: ist.

00:15:50: Ich sag mal über die Netzwerke, in denen du dich da selber bewegst Es ist ja oft so, dass auch Menschen mit einer bestimmten Form von Betroffenheit dann einen Berufsweg

00:16:04: einschlagen

00:16:05: um genau solche Sachen eben also die sie sozusagen erlebt haben.

00:16:09: Die nochmal irgendwo vielleicht auch im Sinne einer Heilung und zwar nicht nur für sich selber sondern auch übergeordnet sozusagen angehen gibt es da aus Euren Kontexten, sag ich mal Leute die vielleicht aus diesen Gründen in einen Psychologie Studium reingegangen sind oder eine therapeutische Qualifikation gemacht haben weil wir wissen ja auch aus anderen Kontext.

00:16:33: Dass es eben wichtig ist nicht nur sag ich mal, was gemacht wird beispielsweise in einer Therapie oder sondern auch wer sie macht und mit welchem Hintergrund er sie macht.

00:16:45: Also hast du da mittlerweile Erfahrungen sammeln können?

00:16:49: Nein also tatsächlich ist es mir nicht bekannt dass eine derer die ich kenne in der Richtung Psychologie Studium was angefangen hat.

00:17:00: wir hatten immer oder Ich habe natürlich Kontakt zu anderen Erwachsenen adaptierten.

00:17:04: Wir hatten bis vor Corona Regelmäßiges Treffen in der Nähe von Hannover.

00:17:09: Das waren alles Erwachsener-Adoptierte, das war immer sehr schön und man konnte sich austauschen unter seinesgleichen.

00:17:16: Man hat sofort eine Nähe gehabt die man gar nicht so beschreiben kann weil wir im Grunde alle dieselbe Geschichte mit uns tragen.

00:17:24: ich will nicht sagen Schicksal, weil es ist ja im Schicksala hört sich immer so sehr negativ an.

00:17:28: aber mir ist jetzt nicht bekannt dass da einer von denen gesagt hat So!

00:17:32: Ich habe diese Biografie Und deswegen würde ich jetzt gerne Psychologie studieren mit dem Schwerpunktadoption.

00:17:40: Nee, leider nicht und der Gedanke ist eigentlich ganz gut!

00:17:43: Ja also ich meine ich komme jetzt da drauf weil in dem Feld, indem ich mich jetzt bewege, also Medien... Da gibt es beispielsweise einen Zusammenschluss von Menschen die nennen sich die neuen deutschen Medienmacher und Medienmacharinnen.

00:18:00: Das sind Leute, das sind schwarze Deutsche mit anderen Wurzeln aus den anderen Kontinenten usw.

00:18:10: Da gibt es so dieses Credo dass die sagen Es ist eben nicht nur wichtig was geschrieben wird, sondern auch wer schreibt und mit wem welcher Perspektive schreibt.

00:18:22: Das ist mir dabei im Hintergrund weil natürlich das Thema auch wenn wir jetzt über das Migrationsthema reden dann sind solche Leute, solche Menschen ja in einer ganz anderen Form betroffen von Dingen die die wir erst mal als die Mehrheitsgesellschaft oder wie man die immer jetzt nennen will, gar nicht nachvollziehen können.

00:18:43: Und das war so der Impuls in diese Richtung zu nachzufragen.

00:18:49: Und ich meine, wenn du jetzt sagst das einfach der Austausch untergleichen sozusagen ein wichtiges Moment ist dann ist es natürlich auch schon mal viel.

00:18:57: also Ich weiß dass zum Beispiel das ist hier in Kassel Das ist jetzt ein anderes Thema aber dass es irgendwie einen Netzwerk für Menschen gibt die in Pflegefamilien sind beziehungsweise das heißt pflegende Also menschen-Familie angehörigen die pflegekinder aufnehmen dass da irgendwie solche Strukturen bestehen.

00:19:18: Vielleicht so für den ersten, für den Abschluss unseres ersten kleinen Blocks hier was würdest du dir in diesem Bereich wünschen?

00:19:28: Dass man einfach vielleicht ich weiß nicht ob das möglich ist dass mein Netzwerk bildet hier im Kassel.

00:19:39: es ist tatsächlich auch noch mal ein Unterschied Im inner- europäischen Ausland adoptiert worden ist oder im außereuropäischen.

00:19:47: in den Sechziger, Sechzigersiebziger Jahren waren ja auch viele vietnamesische Kinder die aufgrund des Vietnamenkriegs adoptiert wurden.

00:19:54: Die sind ja allein schon durch ihre ihr optisches Äußeres aufgefallen und auch wir Kolumbianer fallen ja auch oder Südamerikaner fallen schon durch unsere Optik eher auf.

00:20:07: Wir haben natürlich alle Migrationshintergrund, eigentlich fände ich das so ein Netzwerk innerhalb Kassels mit Adoptierten aus Südamerika finde ich nicht schlecht, dass man sich da irgendwie mal miteinander verbindet oder so.

00:20:24: Mir ist eben als wir gesprochen haben noch eine Situation eingefallen, die ich selber mal erlebt habe und zwar weil wir reden jetzt von den siebziger Jahren in denen du geboren bist.

00:20:35: ja aber um zu sagen Leute das ist noch lange nicht vorbei.

00:20:38: Ich bin Anfang der Ecuador, also dem Nachbarland von Kolumbien nach Hause geflogen von Quito aus.

00:20:49: Und ich war alleine als Vater mit diesem Kind und das Kind sah ein bisschen anders aus als ich.

00:20:54: Das hat man gesehen.

00:20:55: er saß halt dann irgendwie logischerweise irgendwie bei mir aufm Arm.

00:21:00: der war vielleicht ein Jahr und zwei Monate plus minus und dann saßen mit mir neben dran sozusagen so ich sag mal so ein bisschen so equadroianisches Großbürgertum.

00:21:13: Es gibt ja auch in diesen Ländern sehr reiche Leute, also für die es irgendwie auch kein Ding ist zu reisen und so weiter usw.

00:21:21: Und wir sind natürlich ins Gespräch gekommen und ich erinnere noch dass der Mann, der daneben mir saß wird so in den Sechzigern gewesen sein.

00:21:30: damals das der zu mir gesagt hat Das Kind sei aber sehr gut erzogen.

00:21:40: Dann habe ich so hinterher gedacht.

00:21:42: Ich habe das eigentlich erst mal gar nicht gecheckt, aber ich habe es so hinter her dann bei mir gedacht... Da ist volle Kante dieses Klischee aufgegangen und da kommt dieses Bleichgesicht irgendwie nach Ecuador und holt sich halt ein Kind.

00:21:57: Das ist ja auch immer ... Das ist ja auch etwas, genau.

00:22:03: Dieses Bleichgesicht holt sich ein Kind und kann man auch umgekehrt... Man hat natürlich auch viele Gespräche gerade über das Thema oder mit anderen Adoptierten.

00:22:14: Manche Adoptierte haben leider nicht so gute Erfahrungen mit ihren Adaptivfamilien gemacht und da wurde dann zum Beispiel auch gesagt Du müsstest deinen Adoptiv-Eltern dankbar sein, dass sie dich aufgenommen haben.

00:22:28: Also das ist halt auch nochmal so etwas, das fällt mir bei dieser Geschichte halt einfach ein.

00:22:34: Nein Dankbarkeit ist das falsche Wort weil ich wurde ja nicht gefragt als ich hierher gekommen bin.

00:22:41: Das finde ich schon sehr, sehr anmaßend.

00:22:43: Weil ich einfach denke ja, ich habe Glück gehabt dass ich hierher gekommen bin.

00:22:47: Ich weiß nicht welchen Weg ich genommen hätte wenn ich dort aufgewachsen wäre.

00:22:52: also ich war Einige Monate in dem heim wie gesagt und Welchen Verlauf mein Leben dann genommen hätte weiß ich nicht.

00:22:59: und deswegen Also da Ja und ich glaube ich war als Kind schon ganz gut erzogen.

00:23:06: Bis hierher erst mal ganz herzlichen Dank an Eva Jollima für diese interessanten Schilderungen aus dieser Perspektive.

00:23:14: Und wir geben Ihnen, liebe Hörberinnen und Hörer jetzt eine kleine und uns selber natürlich auch eine kleine musikalische Pause und hören uns dann gleich wieder im Stadtlabor.

00:23:25: Willkommen zurück im Stadtlabour.

00:23:27: in unserer Sendung vom einundzwanzigsten Mai zwanzig sechsundzwannzig sprechen wir über das Thema Adoption.

00:23:35: Eva Jollimer ist bei uns zu Gast und wir haben jetzt schon in der ersten Etappe so verschiedene Aspekte des Themas bewegt, und wir waren gerade kurz vor der Pause so bei dem Thema Erfahrung in den Adoptivfamilien und du weißt es aus deinem Netzwerk zusammenhängen wo ihr euch wie Du gesagt hast vor Corona regelmäßig halt auch gesehen habt dass es sehr unterschiedlich sein kann, also wie damit umgegangen wird und das ist da teilweise eben auch, naja so ich sag mal Erwartungshaltungen gibt beispielsweise wie die Du musst deiner Adoptiv-Familie dankbar sein.

00:24:10: Wie wird das unter euch diskutiert?

00:24:13: Und wie ist es für dich selber?

00:24:16: Also da meine Eltern sehr, sehr offen mit dem Thema umgegangen sind und mir nie das Gefühl gegeben haben dass ich in irgendeiner Weise dankbar sein muss.

00:24:25: Dass sie mich adoptiert haben kann ich da relativ gut mit dem thema umgehen.

00:24:30: aber ich habe natürlich auch mich mit anderen unterhalten die wirklich Pech hatten wo also auch Gewalt in der Familie leer herrschte oder wo die Eltern den Kindern das tatsächlich niemals erzählt haben, dass sie adoptiert sind.

00:24:44: Dass sie es im Erwachsenenalter erfahren und das überhaupt nicht verkraftet haben.

00:24:50: Das macht ja auch unheimlich viel mit einem oder natürlich auch dieser... Da ist mir die Geschichte einer Bekannten im Kopf Wohl sehr wohlhabende Eltern hatte, die beide sehr gut verdient haben und eine gewisse Kälte einfach auch in dieser Familie herrschte.

00:25:09: Und sie mir dann erzählte dass sie nur adoptiert worden sei wegen des Prestige nach außen hin.

00:25:15: Also, nach dem Motto Siter wir haben eine Tochter aus Kolumbien adoptiert und wir sind so toll!

00:25:21: Und wir sind sozial und sie selber als Kind nur Kälte erfahren hat und auch dieser Spruch dann kam also wie du dich benimmst.

00:25:31: Du müsstest einfach mal dankbar sein dass du hier sein darfst und ich weiß das sie wohl auch mit ihren Eltern komplett gebrochen hat und ich denke wenn man so einen Schritt geht ist es schon wirklich sehr weit.

00:25:44: Ja, und ich meine auch da.

00:25:47: Wir hatten vorhin noch mal über das Thema Unterstützung eben auch gesprochen.

00:25:52: also Weißt du von den Menschen in deinem Umfeld ob die sich Unterstützung suchen konnten?

00:26:00: Auch wenn es jetzt nicht die Unterstützung über die wir vielleicht gesprochen haben.

00:26:03: Also im psychologischen Sinne wurde gesagt dass es gibt es so nicht.

00:26:07: Man muss ja irgendwie ein Handling dafür was einen Umgang damit finden mit diesen vielen Situationen.

00:26:14: Man muss ja auch, das ist für uns alle natürlich irgendwie ein Thema also so in einem System, in dass wir hineingeboren werden oder in das wir hinein katapultiert werden sagen wir mal, in diesem Falle müssen wir als Kinder erst einmal überleben und Strategien entwickeln, damit wir da irgendwie durchkommen.

00:26:33: Und diese Strategien sind ja mitunter sehr prägend für unser gesamtes Leben.

00:26:40: Hast du da, sag ich mal so aus deinen Zusammenhängen Ideen dazu wie man gut mit solchen Situationen umgehen kann?

00:26:51: Sind dir da, sage ich mal positive Beispiele zu Ohren gekommen.

00:26:54: Weil du hast ja eben auch davon gesprochen dass manche daran zerbrochen sind beziehungsweise dann die Kontakte zu den Adoptiveltern zerbrochene sind.

00:27:04: Wie schätzt du das

00:27:05: ein?

00:27:06: Ich glaube, eine ganz wesentliche Rolle spielt auch bei der ganzen Geschichte das Alter.

00:27:14: Je älter ich werde umso mehr wird mir bewusst, dass es gut war, dass sich noch ein Baby war.

00:27:22: Ich kenne einige die also schon älte waren, die als Kinder auf den Straßen von Bogota als Straßenginder gelebt haben mit fünf, sechs oder sogar sieben Jahren hierhergekommen sind und dann ist es ja wirklich auch eine Entwurzelung.

00:27:38: Bei mir war sicherlich nicht einfach, ich habe wohl laut meiner Mutter als Baby sehr viel geschrien – auch natürlich Verlustängste und wenig Geborgenheit.

00:27:49: Dieses Verlustengster habe mich schon mein ganz Leben lang begleitet.

00:27:52: aber ich glaube das macht einen großen Unterschied wenn man ein Baby ist.

00:27:57: Ich war neun Monate alt spricht man heute von der frühkindlichen Prägung, wo ich sicherlich einiges mitgenommen habe.

00:28:06: Was aber so in den Siebzigern noch gar nicht so verbreitet war.

00:28:10: also ich glaube... Ich hab schon viel mitgenommen, aber ich glaube ich hatte so einen sicheres Umfeld später dann dass das ganz gut aufgefangen werden konnte.

00:28:24: Und kommen wir vielleicht nochmal zu diesem Stichwort.

00:28:27: Du hattest das anfangs auch schon mal hier in den Raum geworfen, also die Wurzeln.

00:28:34: Also für die meisten von uns ist es so selbstverständlich dass das irgendwie klar ist.

00:28:39: man braucht sich da irgendwie nicht weiter tiefer zu bohren um zu wissen ja wo kommt man jetzt grundsätzlich her und so weiter?

00:28:53: Wie setzst du dich mit diesem Thema ins Verhältnis und welchen Umgang hast du für dich damit gefunden?

00:29:02: bzw.

00:29:03: nicht nur für dich, sondern es geht ja dann auch noch weiter in die nächste Generation mit deinen eigenen Kindern?

00:29:10: Das ist ein Thema was vielleicht... eben bleiben wird, wenn die auch mal wieder Kinder haben.

00:29:17: Das läuft ja wirklich über viele Generationen bis das vielleicht auch dann irgendwo so sich alles wieder gefunden hat wobei man kann ja überhaupt nicht davon sprechen was normal ist glaube ich zumindest, weil die das Leben und die leben sind so vielfältig dass wir überhaupt nicht irgendwie sagen können ist jetzt irgendwie eine normale situation.

00:29:46: Und wir wissen eben auch du hattest eben das beispiel angeführt von der familie sehr wohl haben mit großer großen sozialprästisch ausgestattet sage ich mal aber Nennen wir es mal so, wo eine gewisse Wohlstandsverwahrlosung stattfindet oder solche Dinge.

00:30:03: Das wissen wir ja alles.

00:30:04: Manchmal kennt man von sich selber vielleicht auch.

00:30:07: Man beneidet im wahrsten Sinne des Wortes mit diesem Neid andere die... so oder in einer so viel tolleren Situation aufwachsen, aber wenn man dann sozusagen tauschen würde, dann müsste man auch das ganze Paket nehmen und das ist manchmal halt auch irgendwie eine harte Geschichte.

00:30:27: Also noch mal wie gesagt dieses Thema Wurzeln und kann man sagen dass man sich die irgendwie erarbeiten kann?

00:30:38: Oder wie machst du es konkret?

00:30:41: Also es ist tatsächlich so, dass es in meinem täglichen Leben momentan nicht so eine große Rolle spielt.

00:30:46: Natürlich so wenn wir uns jetzt unterhalten dann denke ich natürlich schon mehr darüber nach.

00:30:53: mein Freundeskreis oder eine Freundin von mir die sagt immer mal das du so ne... Dass du damit so locker umgehen kannst das finde ich so klasse und wenn man sich mal überlegt wir alle können sagen wie du ja eben auch schon sagtest wir sind in diesem Krankenhaus geboren und haben das, als Kinder oder meine Mutter hat das.

00:31:10: Und dass in der Schwangerschaft erlebt ist, das fehlt mir.

00:31:13: Ja, das sind so diese Wurzeln die mir fehlen aber ich habe mittlerweile den Umgang damit gefunden.

00:31:19: Ich kann offen damit umgehen.

00:31:21: also ich erzähle heute viel eher früher wenn das Thema Herkunft kommt wo ich her komme.

00:31:29: Ich hab das früher tatsächlich nicht so thematisiert auch meiner Jugend eigentlich wenig Und mein damaliger Mann hat immer gesagt, dass du dich damit nicht so auseinandersetzt.

00:31:42: Das verwundert mich und das hat sich ein bisschen geändert als ich meine Kinder bekommen habe weil man sich natürlich dann immer wieder damit auseinander setzt.

00:31:50: Weil man ja dann selber auch schwanger ist und selber das so erlebt.

00:31:53: und da kommen natürlich dann auch Gedanken wie war es bei meiner leiblichen Mutter während sie mit mir schwanger war?

00:32:03: Auch dieser Gedanke wie schwer das eigentlich sein muss.

00:32:07: Oder war es wirklich für sie so schwer, mich wegzugeben?

00:32:11: Also man hat ja ein Kind oder Frau hat einen Kind neun Monate im Bauch und dann einfach das Kind abzugeben.

00:32:17: Das sind so Gedanken die einen natürlich beschäftigen und auch wenn die eigenen Kinder geboren werden wem sehen Sie ähnlich?

00:32:25: was haben Sie von wem?

00:32:27: also ist jetzt so dass sie aussehen wie der Opa meinerseits bestimmte andere Eigenschaften, die man weiterfärbt.

00:32:36: Was ich ja nicht sagen kann und das Lustige ist halt dass meine Kinder von der Hautfarbe dunkler sind als Ich und Kolumbianischer aussehen als Ich Und sie sich also auch ganz ganz anders damit auseinandersetzt viel offener und Auch Das mit Stolz wo sich her tragen dass sie einen Sie sind Migrationshintergrund.

00:33:01: Wenn man die Definition von Migration kennt, haben sie auf jeden Fall den Migrations Hintergrund.

00:33:06: Den hat man dann wenn ein Elternteil auch Migrations-Hintergrund hat und das bleibt.

00:33:12: Und wenn man sich das bewusst macht... Ja, also die haben einen ganz anderen Umgang und das finde ich toll.

00:33:19: Das finde ich bewundernswert und sie leben das auch aus und Hören auch gerne mal kolumbianische Musik und Haben die kolumbienische Flagge Und in ihren Profilen und so und das find ich schön.

00:33:32: dass hat mir in meiner Jugend tatsächlich gefehlt.

00:33:35: ja

00:33:36: Naja Ich meine vielleicht das ist jetzt so eine so meine meine hobby psychologische Deutung sage ich mal der Dinge ist die dass Du dich in deiner Jugend vielleicht auch erst mal schützen musstest, also so als so ein Moment.

00:33:51: Und man weiß ja nie wenn man sich sozusagen aufmacht, sich offen zu zeigen ist man natürlich immer sehr verletzbar und damit... kann man ja auch die oder die andere Erfahrung machen.

00:34:08: Auf der einen Seite, kann das sehr positiv aufgenommen werden und es entsteht wirklich was.

00:34:13: aber auf der anderen Seite und wir wissen wie das bei Kindern manchmal irgendwie laufen kann.

00:34:18: Sehr ausgrenzend.

00:34:21: Heute würde man vielleicht von Mobbing sprechen.

00:34:22: Was weiß ich?

00:34:24: Das sind alles Themen, die da auch sage auf eine gewisse Art und Weise mit schwingen könnte ich mir so vorstellen zu sagen Ich bin anders.

00:34:36: also so dieses ne und von den anderen eben auch zum Anderen gemacht zu werden das kann ja durchaus da halt auch so ein Thema sein um zu sagen Ja, da

00:34:47: taste

00:34:48: ich mich selber erst mal irgendwie anders ran Und dann können wir jetzt im Beispiel vielleicht auch deiner kinder sagen dass sich ja dann doch Auch wenn wir manchmal nicht das Gefühl haben, die Gesellschaft im positiven Sinne ein Stück weit gewandelt hat.

00:35:02: Was eine größere Offenheit hat eben genau hinsichtlich solcher Themen angeht.

00:35:06: also kannst du dem was abgewinnen?

00:35:10: Ich denke schon, dass da ein offener Umgang miteinander stattgefunden hat und das die Gesellschaft sich dahingehend auch positiv verändert hat.

00:35:19: Andererseits natürlich auch gerade im Moment der aktuelle Rechtsruck bereitet mir große Sorgen.

00:35:25: Und ich hatte auch als Jugendliche negative Erfahrungen wegen meines Äußeren gemacht – damals waren es ja noch die dummen Hooligans, die man erkennen konnte an dem kahlgasierten Schädel unter den Springerstiefeln die mich schon auch teilweise angegangen haben und ich habe mich aber nie als anders empfunden, und ich hab' mich auch nie in irgendeiner Form ärgern lassen aufgrund meines Äußeren.

00:35:54: Ich habe mich schon immer zu verteidigen gewusst also das ist jetzt für mich als Erinnerung geblieben.

00:35:59: Aber ich bin auch mit zwei älteren Brüdern aufgewachsen und ich glaube da lernt man auch eine Menge.

00:36:06: Heute ist die Gesellschaft offener dafür und die Gesellschaft ist bunter und vielfältiger geworden, aber die Gesellschaft bewegt sich natürlich auch momentan in eine sehr komische Richtung.

00:36:17: Die mir Sorge bereitet weil ich nicht weiß wie es in Zukunft dann aussehen soll und meine Kinder davon auch betroffen sind natürlich wegen ihres Äußeren.

00:36:27: so also hat so zwei Seiten.

00:36:30: Okay, vielen vielen Dank.

00:36:31: erst mal bis hierher Eva Jollima und wir gönnen Ihnen uns noch eine kleine musikalische Pause und sind dann gleich wieder im Stadtlabor des Freien Radios für Sie da.

00:36:43: Willkommen zurück im Stadtlabore des Freie Radius Kassel.

00:36:47: in unserer Sendung vom einundzwanzigsten Mai zwanzig sechsundzwantzig geht es um das Thema Adoption.

00:36:54: Eva Jollyma ist unsere unser Gast heute selbst adoptierte, heute erwachsen und wir haben jetzt viele viele Themen bewegt rund um dieses Thema sehr komplexe Thema was für die meisten von uns keine Realität ist.

00:37:12: Und wo vielleicht auch die meisten vom uns ja keine Berührungen haben.

00:37:16: also bis dahin und das bringt mich jetzt sage ich mal nochmal dazu Eva nachzufragen was bräuchte es, was wünschst du dir?

00:37:27: Also weil du hast diese Situation erlebt.

00:37:33: In deinem gesamten Leben ist das Thema präsent.

00:37:36: und wie gesagt aus dieser Perspektive und auch aus der Perspektiv derer mit denen du vernetzt bist... Was können wir, was brauchen wir für Menschen die eine Geschichte haben wie du Und vielleicht irgendwie aus einer individuellen Ebene oder eben auch auf einer eher gesellschaftlichen Ebene.

00:37:57: Was bringst du da sozusagen für uns mit?

00:38:00: Ja, also vielleicht erstmal so dieser offene Umgang mit dem Thema Adoption und auch... Für mich ist es immer wieder schwierig wenn dann Leute zu mir sagen naja aber das sind ja gar nicht deine richtigen Brüder.

00:38:13: Das habe ich schon ganz oft erlebt.

00:38:15: Natürlich sind es meine Brüde.

00:38:18: Mir wurde auch schon der Spruch gesagt, Blut ist dicker als Wasser.

00:38:23: Also das ist einfach so eine Sache... Das ist blöd gerade für jemanden, der adoptiert ist!

00:38:27: Für mich ist meine Familie und meine Brüder sind meine Bruder und da gibt es keinen Unterschied.

00:38:34: Und ob das adoptiert wird?

00:38:36: Ich würde mir wünschen, dass man in dem Kontext nicht immer nur von den adoptiv Brüdern spricht.

00:38:45: Es fällt mir auch in den Medien auf, wenn da irgendwelche Filmstars oder was mit ihren Kindern sich präsentieren heißt das ganz oft dass es die und die mit ihren Adoptivkindern.

00:38:57: Das finde ich ganz furchtbar, weil das muss nicht extra dran gehängt werden.

00:39:01: Es sind die Kinder, ob sie adaptiert sind oder nicht.

00:39:05: Für mich spielt es keine Rolle und sollte nicht Alleinstellungsmerkmal sein.

00:39:10: Also das ist meine Meinung.

00:39:11: Das würde ich mir wirklich sehr wünschen, dass er aufhört, dass man das so in den Vordergrund stellt.

00:39:18: Ich bin adoptiert ja und meine Familie ist meine Familie und meine Brüder sind meine Bruder.

00:39:22: und ich glaube, ich spreche dann schon auch für die anderen Adoptierten dass das nicht immer, wenn es im Zusammenhang mit der Familie, wenn man sich vorstellt oder so, dass man das nicht in den Vordergrund stellt.

00:39:34: Weil das ist unerheblich erstmal.

00:39:37: Ja

00:39:40: also ich höre so ein Stück weit sag' ich mal so das Thema... Das habe ich mir gerade jetzt irgendwie so aufgeschrieben, also soziale Eltern schafft.

00:39:49: Das ist ja so ein Thema was auch sage ich mal in anderen Bereichen halt auch zunehmend Ein Thema wird, dass man eben wegkommt von dieser rein biologischen Geschichte bzw.

00:40:02: einfach hat sich die Gesellschaft diversifiziert und es gibt Patchwork-Familien wo das Thema soziale Elternschaft eine Rolle spielt.

00:40:12: Es gibt wenn wir das ein bisschen weiter denken dann gibt es diese sogenannten Regenbogenfamilie also wo Leute irgendwie keine Ahnung Jahrzehnte lang einen das gelebt haben, was man als normales Leben bezeichnet und dann stellen die fest irgendwie ist doch irgendwie noch ganz anders.

00:40:31: Und wenden sich dann eine Partnerin oder ein Partner zu also gleichgeschlechtlich.

00:40:36: aber es gibt die Kinder und das sind ja alle solche Themen, die da vielleicht auch irgendwo genauso für eben Menschen gelten könnten, die adoptiert sind.

00:40:49: Also wie empfindest du das?

00:40:53: Ja, natürlich!

00:40:55: Das sollte halt einfach ganz normal sein.

00:40:56: Es ist für mich völlig unerheblich ob man in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebt oder ob das Kind – wir nennen es heute Bono's Kind – oder ob es adoptiert ist.

00:41:07: Für mich eigentlich unerhäblich und er würde ich mir wirklich von der Gesellschaft wünschen dass es einfach keine Rolle mehr spielt weil auch ein gleich geschlechtliches Paar, kann einen Kind großziehen und es kann genauso geliebt werden.

00:41:24: Und es kann genau so viel Pech haben wie in einer traditionellen Ehe oder Familienmodell.

00:41:33: also das ja...

00:41:36: Also ich glaube ich habe mir jetzt eben gerade ist mir so'n ... und ich meine dass es wäre es wäre ein Zitat von einer eher konservativen Politikerin gewesen, Familie ist da wo Menschen sich umeinander kümmern.

00:41:48: Also so dass das...das ist mir gerade in den Sinn gekommen als du davon gesprochen hast.

00:41:54: und ja vielleicht ist das so ein Thema weil ich meine wenn wir das auch jetzt jenseits von diesem Adoptionsthema sehen dass unsere Gesellschaft vor sehr, sehr großen Herausforderungen steht.

00:42:09: Also hier spricht ja der berühmte Boomer sozusagen am Mikro und für uns werden sich irgendwie Sachen nochmal ganz, ganz anders möglicherweise darstellen als es eben eine Generation vorher war oder als es danach wird weil einfach da so ne bestimmte Situation ist.

00:42:27: Und wie läuft das dann eigentlich?

00:42:29: Wie organisiert man sich oder wie versteht man sich sozusagen als Familie oder auch ein Stichwort, was ja auch da, was es da draußen gibt.

00:42:39: Das ist die Wahlfamilie.

00:42:42: also das heißt wir haben diese biologische Familie und dann gibt es noch eben die, die wir uns auch sehr gut als Familie vorstellen können, aber biologisch hat das Schicksal uns jetzt nicht an die Seite gestellt sag ich mal.

00:42:56: Also das ist ja irgendwie sehr breit.

00:42:59: und wie gesagt Ziel gerade unserer Sendung zu.

00:43:05: und Eva, gibt es noch etwas was du unseren Hörerinnen und Hörern ja mitgeben kannst?

00:43:12: Jetzt so als ein Anliegen.

00:43:14: Als eine Idee.

00:43:17: Ja der Podcast kam mir deswegen zustande weil wir uns mal darüber unterhalten haben und ich einfach gesagt habe das ist einfach so wenig präsentiert auch in der Gesellschaft und es gibt da einige die das vielleicht auch beschäftigt wenn der oder diejenige jetzt das hört und sagt, ach ja also ich bin in einer ähnlichen Situation.

00:43:35: Und ich hätte da mal Lust mit mir in Kontakt zu treten kann er sich gerne ins freie Radio Kassel wenden.

00:43:42: Die haben meine Kontaktdaten.

00:43:43: dann kann man sich gerne austauschen und auch allen die da nicht so einen offenen Umgang miteinander bisher bis jetzt haben konnten einfach sagen offen sein und darüber reden und keine Angst haben.

00:43:57: Ich glaube, die Gesellschaft ist mittlerweile schon bereit dafür damit ganz gut umzugehen oder offener umzugehnen als das zu meiner Zeit.

00:44:04: Als ich Kind war noch

00:44:05: wahr.

00:44:07: Okay dann bis hierher.

00:44:10: Ganz ganz herzlichen Dank Eva Jolli mal für diese ja offenen Worte und Dafür halt auch dass du bereit bist warst in dieser Sendung deine deine Geschichte sonst stückweit.

00:44:22: Ja wir uns nachempfinden zu lassen.

00:44:25: Und Alles alles Gute dafür, dass es sich in die Richtung entwickelt wie du dir das wünschst und wie es für uns vielleicht alle gesellschaftlich sozusagen auch gut und wichtig wäre.

00:44:36: Viel Freude beim vertiefener gewonnenen Einsichten.

00:44:38: bleiben Sie stark!

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