StadtLabor im Freien Radio Kassel: "46 von 100" – ein Projekt für junge Menschen gegen Einsamkeit

Shownotes

Entgegen gängiger Vorstellungen ist Einsamkeit kein reines Phänomen des Alters. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung von 2024 zeigt: 46 % der 16- bis 30-Jährigen fühlen sich regelmäßig einsam. Für das Kulturzentrum Schlachthof und die Katholische Hochschulgemeinde ist das der Ansatz für das Kooperationsprojekt "46 von 100". Das Projekt setzt Impulse, über Einsamkeitserfahrungen zu berichten und bringt Menschen mit kreativen und kostenfreien Angeboten zusammen.
Im StadtLabor des Freien Radios Kassel geben Sibylle Lachmitz von der Katholischen Holschulgemeinde sowie Daniel Kroß und Geritt Retterath vom Kulturzentrum Schlachthof Einblicke in ihre Arbeit.

Der Podcast wurde beim freien Radio Kassel aufgezeichnet.

Transkript anzeigen

00:00:00: Willkommen im Stadtlabor des Freien Radios Kassel, liebe Hörerinnen und Hörern.

00:00:05: In unserer Sendung vom zehnten September zwanzig sechsundzwanzig sprechen wir über Einsamkeit unter jungen Menschen und über das Projekt Sechsundvierzig von hundert – dass dem etwas entgegensetzen will!

00:00:16: Bei uns heute zu Gast Sibylle Lachmitz, katholische Hochschulgemeinde Daniel Groß und Gerrit Retterad vom Kulturzentrum Schlachthof.

00:00:24: für Sie heute am Mikro Klaus Scharke.

00:00:26: Und ja, willkommen liebe Gäste.

00:00:29: und für uns ist es jetzt natürlich wahnsinnig interessant zu hören was sich hinter forty-six von hundert irgendwie verbürgt ob das eine Lotterie ist oder was auch immer.

00:00:41: Ich würde euch bitten dass ihr als wenn ihr das erste mal sprecht ganz kurz euren Namen halt aussagt damit unsere Gästen ungefähr eine Idee haben wer wer ist.

00:00:51: okay

00:00:52: gerne Hallo, ich bin Daniel Kruss vom Kulturzentrum Schlachthof.

00:00:56: Erstmal im Namen des ganzen Projekteams.

00:00:59: Vielen Dank für die Einladung.

00:01:01: und ja, forty-six von hundert diese Zahl basiert auf einer Studie von Bertelsmann von zwanzig vierundzwanzig.

00:01:11: Und zwar hat sich in dieser Studie ergeben dass sich forty sechs Prozent der sechzehn bis dreißigjährigen regelmäßig im negativen Sinne einsam fühlen Und genau darum geht es in unserem Projekt.

00:01:24: Dass junge Menschen auch sich regelmäßig einsam fühlen, ist so ein bisschen eine neue gesellschaftliche Erkenntnis, sehr schockierende Zahl und wir haben eben vor knapp anderthalb Jahren uns zusammengefunden und überlegt was man dem entgegensetzen kann und haben dieses Projekt mit diesem wunderbaren Titel forty four hundred ins Leben gerufen.

00:01:49: Das Projekt funktioniert auf zwei Ebenen.

00:01:51: Wir haben auf der einen Seite eine Plakatwand auf den Unikanpus installiert und diese Plakatwand ist quasi eine dauerhafte Ausstellungsfläche, die wir nutzen können um... ein bisschen über das Thema aufzuklären, um so ein bisschen auch mit diesen klassischen Bildern über Einsamkeit zu brechen.

00:02:10: Und wir rufen dieser Plakatwand dazu auf, dass Menschen ihre Einsamkeitsanfahrungen über die Webseite forty-six von hundert de mit uns teilen können.

00:02:21: und diese Erfahrungen wiederum sind dann die Basis für neue Plakate.

00:02:25: also wir machen diese Erfahrung sichtbar und brechen damit aus ein bisschen ja diese klassischen Bilder vielleicht ein Stück auf.

00:02:34: und auf der zweiten Ebene haben wir verschiedene Begegnungsformate, die daran anschließen.

00:02:39: Wir haben zum Beispiel einen ersten Text eingereicht bekommen wo eine junge Frau beschreibt wie sie alleine im Apartment ist und eine Karte von ihrer Schwester bekommt, wo Belgische Pralinen eine Rolle spielen und wir haben dann im Anschluss zum einen an dieses Plakat einer Pralinenwerkstatt gemacht, wo teilnehmende Schokopralien herstellen konnten.

00:03:04: Und wir haben eine Linol-Schnittworkshop gemacht, bei der Postkartenmotive entstanden sind und die dann wiederum weiter für weitere Optionen genutzt wurden.

00:03:15: Genau das ist so die Grundidee des Konzepts und genau vielleicht kann diese Bilder noch ein bisschen was erzählen wie wir uns damals gefunden haben.

00:03:24: Hallo, ich bin Seville von der katholischen Hochschulgemeinde.

00:03:28: Ja gefunden haben wir uns weil der Gerrit und ich, der dritte im Bund hier in der Runde... Wir kannten uns das anderen Zusammenhänge aus der Stadtheilarbeit im Wesertor und haben einfach gut zusammengearbeitet und haben uns gedacht, wir können uns ja nochmal treffen.

00:03:42: und dann haben wir überlegt was können wir denn zusammen machen?

00:03:46: Dann fiel auf, dass unsere Standorte beide Unwalt der Universität sind.

00:03:51: Sprich die Universität zwischen unseren beiden Bürostandorten liegt und so kam wir dann schon mal auf den Ort wo wir was gemeinsam machen und kam dann auf die Idee was zum Thema Einsamkeit zu machen eben aufgrund dieser Studie.

00:04:08: das war eigentlich so der Beginn der Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Institutionen.

00:04:15: Jetzt haben wir also in der Einleitung eben gehört, dass es ich sage mal klassische Bilder von Einsamkeit gibt und vielleicht umreißen wir das mal so ein bisschen.

00:04:28: Was sind denn die klassischen Bilder von einsamkeit?

00:04:30: Und dadurch dass es jetzt diese studie gab sind ja vielleicht auch die klassischen bilder von einsamkeit möglicherweise dekonstruiert worden.

00:04:41: oder ein bisschen anders sage ich mal stellen sie sich da und also lasst uns diese diese beiden dinge mal einfach ein bisschen angucken.

00:04:49: ja

00:04:50: da kann ich gern was zu sagen.

00:04:52: mein name ist gerett reterat vom kulturzentrum schlachthof diese klassischen Bilder und der Kontrast zur Einsamkeit, zur weitverbreiten Einsamheit unter jungen Menschen war eben auch genau das was uns ja zum Projekt bewogen hat.

00:05:07: Weil bei Einsamkeiten hat man vielleicht eher so die Vorstellung dass sind irgendwie einsame ältere Menschen in den Seniorenheimen um die sich niemand mehr kümmert.

00:05:16: Die gibt es natürlich auch und sie sind auch in problematischen Lebenslagen.

00:05:20: aber bei jungen menschen ist es nicht so.

00:05:22: da unbedingt an das Thema Einsamkeit als erstes Ding.

00:05:25: Man denkt, dass sind ja irgendwie Leute die sind durch ihre Ausbildung, durchs Studium ins Leben eingebunden, kommen vielleicht gerade aus der Schule haben doch eigentlich immer einen großen Freund des Kreis und haben ihr Leben noch vor sich.

00:05:37: aber auch das schützt eben nicht vor dem Thema Einsammkeit.

00:05:40: und gerade da gibt es ja auch bestimmte biografische Lebenslagen zum Beispiel der Umzug für ein Studium in eine neue Stadt, die eben auch Einsamkeiten bedingt nicht wahrgenommen, wird vielleicht auch häufig heute noch an vielen Stellen einfach nicht ernst genommen.

00:05:57: und dafür gibt es eben jetzt unser Projekt.

00:06:02: Genau!

00:06:02: Und ich habe das ja eingangs schon mal so ein bisschen erzählt dass das eine relativ neue Erkenntnis ist, dass auch junge Menschen von Einsamkeit betroffen sind und das sieht man eben auch in der Landschaft der Maßnahmen die es so gibt also Die Silber, das Silbernetz ist so eine klassische Hotline für ältere Menschen die zum Beispiel von Einsamkeit betroffen sind und.

00:06:29: Das ist aber auch so ein Format was z.B sich einfach nicht so gut übertragen lässt weil junge Menschen heute deutlich weniger gern telefonieren als dass vielleicht die Generation unseren Großeltern getan hat.

00:06:42: Da ist in anderen europäischen Ländern schon mehr auch eine Erkenntnis da, dass das auch unter jungen Menschen immer mehr zu einem großen Problem wird.

00:06:50: und es gibt zum Beispiel ja in den Großbritannien gab's vor einigen Jahren diese große Kampagne mit der Einsamkeit Ministerin und Social Prescribing.

00:07:03: Man kann sich schon in anderen Europäischen Ländern bisschen was abgucken aber wir sind in Deutschland also noch ein Stück weit hinterher in den Diskurs uns anschauen auch gesellschaftlich, dann stellen wir oft fest das Anliegen von jungen Menschen nicht so wirklich ernst genommen werden.

00:07:21: Und dass es glaube ich aus ein bisschen die Kernidee des Projektes ist, dass es wirklich darum geht junge Menschen zuzuhören diese Erfahrung sichtbar zu machen und diese Anliege ernst zu nehmen.

00:07:33: denn das ist ein ganz ganz wichtiger Schritt um wirklich auch ja Menschen unterstützen zu können.

00:07:41: Könnt ihr also ohne da jetzt natürlich zu individuell einzugehen auf bestimmte Fälle, aber gebt unseren Hörerinnen und Hörern doch bitte mal eine Idee was das für Themen sein können.

00:07:56: Also mit denen die jungen Leute so auf die Plattform gehen und sich sozusagen innerhalb dieser Plattform öffentlich machen, was ja auch schon ein Format ist, jüngere menschen affin ist als das was du gerade mit dem mit dem telefon halt angesprochen hast.

00:08:16: also so dass wir so, dass wir einfach vielleicht noch mal ein bisschen so einen gefühl bekommen zu diesen Themen der einsamkeit bei jüngeren Menschen.

00:08:28: Was das eigentlich bedeutet?

00:08:30: Weil er eben auch nach der klassischen Einsamkeit oder nach klassischen bildern von einsamkeiten gefragt haben.

00:08:37: Vorhin hat der Daniel von der ersten Geschichte berichtet, die uns zugesandt wurde.

00:08:42: Das war eine Geschichte wo für uns nicht ganz klar war, hat es die Real gegeben oder war das eine Geschichte, die halt entstanden ist zum Thema?

00:08:53: Hinterher erklärte sich das, weil wir die Frau persönlich kennengelernt haben und hat sehr offen über ihre Problematik gesprochen.

00:09:01: Hat auch über Mobbingproblematik gesprochen, die sie in der Schule erlebt hat.

00:09:07: Wir sind immer noch gut im Kontakt mit ihr.

00:09:10: Es gab dann noch Geschichten, die waren eher fiktiv.

00:09:13: Also wir hatten zum Beispiel die Zusendung eines Architekten Baubauliches quasi informiert hat und da auch das Thema Einsamkeit in Bezug gebracht hat.

00:09:28: Dann hatten wir auch zwei Zusendungen, wo deutlich wurde dass die Personen selber krank geworden sind darüber.

00:09:39: Auch ein Suizidversuch hat da eine Rolle gespielt Und wir machen das grundsätzlich so, dass wenn wir eine Geschichte eingesandt bekommen.

00:09:48: Dass wir uns dann bedanken für die Einsendung und dann entscheiden ob die Person vielleicht noch mehr Gesprächsbedarf hat.

00:10:00: Das war jetzt nur ne kleine Auswahl!

00:10:02: Ich schau mal auf den Zettel, den ich hier habe.

00:10:05: Es wird immer wieder Thema in.

00:10:09: die Familie spielt oft eine Rolle.

00:10:14: Und ja, jetzt bin ich glaube ich mit meiner Erinnerung am Ende.

00:10:19: Ich müsste es vielleicht erkennen.

00:10:22: Was man aus allen Geschichten so zusammenfassend mitnehmen kann ist dass Einsamkeit schon ein sehr umfangreiches Phänomen ist.

00:10:31: also ich glaube Leute die nicht von dem Thema betroffen sind die neigen immer so dazu das zu behandeln, als wäre es irgendwie so eine Verstimmung.

00:10:38: Ach dann muss man mal unter Leute gehen und dann ist das irgendwie weg.

00:10:41: Und ich finde das zeigen die Geschichten eben dass das gerade nicht so ist.

00:10:45: also wir haben tatsächlich diese wahnsinnig alltäglichen Beschreibungen wo Leute ja ihr... häusliches Leben mit der Einsamkeit beschreiben.

00:10:54: Dann hat man aber auch immer Geschichten, wo man auch anhand von Krisensituationen merkt wie die Personen eben von Einsamkeiten betroffen sind.

00:11:00: Also es gibt eine Geschichte, die neueste aktuell glaube ich, wo eben ne Person ins Krankenhaus eingeliefert wurde und dann eben die Frage gestellt bekommen hat ob sie denn ne Person hat, die Leute vom Krankenhaus für sie anrufen können?

00:11:14: Wo sie feststellt das habe ich überhaupt gar nicht.

00:11:17: also da merkt man irgendwie was ja für eine Reichweite und Spannweite Einsamkeit hat.

00:11:22: Und eigentlich irgendwie die Leute in jeder Lebenssituation betrifft, sich auswirkt?

00:11:29: Wenn das jetzt quasi hochgeladen wird also wenn die Leute euch über die Webseite kontaktieren... Also A- kann ich das halt dann auch sehen was ihr dann veröffentlicht und B wie vielleicht sagt ja einfach auch mal die WebSeite dass unsere Hörerinnen und Hörern da gerne auch mal draufgehen können.

00:11:49: Genau, die Webseite heißt quasi der Projekttitel.

00:11:52: Also forty-six von hundert de Die Zahlen als zahlen geschrieben.

00:11:58: Und das ist erstmal eine Plattform, wo ein offenes Textfeld ist.

00:12:05: Wo man eben seine Erfahrungen einreichen kann und man sieht eben alle schon bereits veröffentlichten Erfahrungsberichte dort aufgelistet und kann sich die anschauen und durchlesen.

00:12:18: Was Gerrit vorhin erzählt hat... Oft auch einfach sehr alltägliche Situationen sind.

00:12:28: Diese alltäkligen Situation finden eben nicht nur in einsamen, also alleine im Raum statt sondern die passieren auch ganz häufig in Situationen wo Menschen unter sehr vielen Menschen sind.

00:12:41: Auch das ist glaube ich so ein sehr klassisches Bild, was oft so gezeichnet wird.

00:12:48: Wenn Menschen über Einsamkeit sprechen, dass man alleine in seinen stillen Kämmerchen sitzt.

00:12:54: aber soziale Isolation und Einsamkeiten sind eben zwei verschiedene Dinge.

00:12:59: Da muss man vorsichtig sein das man da auch die Unterscheidung macht.

00:13:04: Einsamheit ist immer ein subjektives Empfinden passieren, wenn ich eben an und für sich sehr viele Menschen um mich herum habe.

00:13:17: Und ich glaube das Einsamkeit erstmal ein sehr natürliches Gefühl ist dass also da ist niemand vorgeschützt.

00:13:24: es kann uns allen passieren in Situationen im Leben erst mal so ein kleines Warnzeichen, dass man schaut wie pflege ich eigentlich meine sozialen Kontakte genug oder sind die soziale Kontakte in meinem Umfeld.

00:13:44: Wie ist die Qualität dieser Kontakte?

00:13:48: Ich glaube das ist dann erstmal so ein erstes Warnzeichn was ja auch irgendwann positiver Impuls sein kann.

00:13:54: gefährlich wird es eben wenn man in diesem Gefühl feststeckt und nicht weiter rauskommt.

00:14:04: Für mich jetzt, während ihr gesprochen habt stellt sie sich auch die Frage ein.

00:14:11: Inwieweit und ich weiß nicht, ob ihr es einschätzen könnt diese ganze Lockdown-Pandemie Situation sozusagen nochmal mit verantwortlich ist.

00:14:20: Das ist da dass die möglicherweise wie ein Beschleuniger bewirkt hat.

00:14:24: also kann man das so sagen oder wie schätzt Ihr das aus Eurer Perspektive ein?

00:14:29: Also ich sag mal was jetzt zum Beispiel meine Erfahrungen angeht.

00:14:34: in unserem Team arbeiten quasi traditionell immer halt auch Studierende aus verschiedenen Fachbereichen und ich habe mal mit einer jungen Frau gesprochen, die an der Kunsthochschule war.

00:14:46: Und sie hat ihr Studium begonnen in dieser Zeit wo man eigentlich keine Connections machen konnte.

00:14:51: und gerade ein Studium an der Kulturschule oder natürlich auch die anderen Studien, die man braucht ja am Anfang den Kontakt.

00:14:59: Man will neue Leute kennenlernen und es ist auch gut wenn man neue Leute kennlernt.

00:15:04: aber das waren natürlich dann halt eingeschränkt und wenn du dann zwei, drei, vier Semester manche je nachdem man angefangen hat studieren musste konnte das ein großes Ding werden.

00:15:15: Also wie sind die Erfahrungen oder was bekommt ihr vielleicht auch noch mal von den Leuten mit?

00:15:24: Wie rennen die das reflektieren?

00:15:28: Also es ist ganz klar so, dass es einen Bruch gab.

00:15:32: Es gibt eine Vor- und Nachcoronazeit für die Gesellschaft letztlich auch bedeutet hat, dass mehr zu einer Vereinzelung gekommen ist.

00:15:41: Die Studierenden von denen du gerade gesprochen hast sind ja jetzt noch da in der Endphase ihres Studiums und die beschreiben das auch so.

00:15:50: Meine Kollegen, die dieser Arbeit in der Hochschulgemeinde schon seit ganz langer Zeit machen, beschreiben Auch massiv sind viel weniger Besucherinnen und Besucher bei uns.

00:16:02: Und es ist einfach zu einer starken Vereinzelung gekommen, dadurch dass ja selbst die Schule quasi digital lief, ist es auch selbstverständlicher geworden dann mehr digital zu machen und mehr im Internet zu sein und vielleicht dann auch statt die Freundin persönlich zu treffen, dann mal eben schnell so ein Kolzum mit der, da gibt es auf jeden Fall Zusammenhänge.

00:16:31: Man merkt aber auch gleichzeitig wenn man mit jungen Betroffenen zum Beispiel am Campus spricht dass es doch auch noch andere strukturelle Gründe gibt.

00:16:39: also gerade die Leistungsanforderung im Studium.

00:16:43: das ist eben auch was wir immer wieder zu hören bekommen dass die Leute uns berichten sie haben eigentlich gar keine Zeit mehr soziale Kontakte zu pflegen und müssen sich auf Klausuren vorbereiten, Hausarbeiten schreiben.

00:16:54: Also das ist auch schon was, was vielleicht da so ein bisschen aus den Fugen geraten ist und ja, wodurch andere Dinge im Leben zu kurz kommen können?

00:17:03: Ja ich würde gerne beiflichten dass man auf jeden Fall auch immer ein Stück weit aufpassen muss nicht falsche Kausalitäten zu ziehen also... Definitiv so, dass die Zahlen in den Statistiken während der Pandemie extrem in die Höhe geschossen sind.

00:17:17: Aber es gibt auch gute Gründe, warum sie weiterhin noch leicht gestiegen sind und seitdem nicht wieder abgefallen sind.

00:17:24: Und ich glaube das ist schon ein bisschen schwierig an dem Thema, dass es natürlich einfach sehr diverse Gründe gibt, warum sich Menschen eben auch regelmäßig einsam fühlen.

00:17:38: Und genau, es gibt nicht diese eine greifbare Zielgruppe die man anspricht.

00:17:43: Auf der anderen Seite ist das aber vielleicht auch wieder so ein Stärke des Formates dass wir wirklich das Thema Einsamkeit beim Namen benennen weil es erstmal nur ein Begegnungsangebot ist, was ich wahrnehmen kann oder nicht?

00:17:59: Ich muss aber über die Gründe meiner Einsamkeit in diesem Angebot sprechen, sondern es geht wirklich einfach erst mal darum einen Raum zu öffnen wo man zusammenkommen kann.

00:18:10: Jetzt haben wir gerade viel über Studierende gesprochen also die Zweifel los auch da so eine Gruppe sind wo das viel vorkommt.

00:18:20: Das Projekt ist das Projekt offen?

00:18:22: und wie offen ist das Projekt?

00:18:26: Es ist komplett offen erstmal, also es spielt sich nicht nur am Campus ab.

00:18:31: Wir haben schon den Campus als so einen schönen zentralen Ort erst mal auch gewählt am Anfang der Projektzeit.

00:18:41: aber das können natürlich alle zu unseren Angeboten kommen.

00:18:45: wir bewerben sie auf diversen Kanälen, also Instagram Webseite und Und genau das Projekt ist erstmal für all diejenigen offen, die es anspricht.

00:18:57: Wir machen immer den Aufhänger klar dass es um Einsamkeit geht auch, dass es zum Einsamkeiten unter jungen Menschen geht.

00:19:03: Das heißt natürlich aber nicht, dass man mit thirty-fünf nicht mehr zu unseren Angeboten kommen darf.

00:19:07: Bei den Anmeldungen fragen wir auch nicht das Alter ab.

00:19:10: Was uns wichtig ist bei einem Angebot, Boot und Brot, da werden wir vielleicht gleich noch darüber berichten dass die interessierten sich dann nicht als Gruppe anmelden weil wir die Erfahrung gemacht haben.

00:19:20: wenn dann drei vier schon miteinander bekannt sind und ich als Gruppekomplakt anmelde dann wird es problematisch für die Einzel angemeldeten.

00:19:32: Okay, ich würde sagen erst mal bis hierher.

00:19:34: ganz herzlichen Dank für diesen Einstieg und wir gönnen Ihnen liebe Hörerinnen und uns selber jetzt eine kleine musikalische Pause und spielen ein Song zu.

00:19:45: Und wir sind dann gleich wieder im Stadtlabor des Freien Radios für Sie da!

00:19:52: Willkommen zurück im Stadtlabor des Freien Radios.

00:19:55: In unserer Sendung heute sprechen wir über das Thema Einsamkeit und wir haben jetzt schon so grundsätzlich mal ein bisschen das Thema umrissen, worum geht es?

00:20:06: Was sind die Hintergründe?

00:20:07: Und jetzt im zweiten Teil wollen wir dazu kommen was denn an Projekten, an Initiativen, an Impulsen läuft.

00:20:18: Damit Menschen vielleicht neu zusammenkommen und jenseits eben dieses Gefühlste Einsamkeit vielleicht auch neue Kontakte finden, neuen Mut schöpfen für die Dinge des Lebens Und Silbilde du hattest gerade das angesprochen ein Projekt das nennt sich Brot und Boot oder Boot und Brot so rum.

00:20:38: Und das ist ein Angebot von euch, vielleicht kannst du an diesem Angebot wirklich mal irgendwie oder ihr alle das umreißen was da passiert bei euch.

00:20:48: Ja, Boot und Brot.

00:20:49: Das ist die richtige Bezeichnung entstand eigentlich durch einen Zufall auch wieder aus alten Kontakten mit dem KSK.

00:20:57: das ist der Kanusportverein im Wesertor.

00:21:00: Die hatten Wind gekriegt von sixen vierzig von hundert und haben gesagt ey super Idee.

00:21:06: Wollen wir nicht mal was zusammen machen?

00:21:08: Und so entstand die idee für boot und brot.

00:21:13: Es findet seit Mai einmal im Monat statt.

00:21:20: Wir treffen uns dazu mit ungefähr zwölf Personen, die sich bei uns angemeldet haben auf dem Gelände vom Kanuverein am Finkenherd und es kommen dann noch weitere Teilnehmende vom Kanuferein selber dazu und wir gehen immer mit ungefähr zwei Leute aus Wasser.

00:21:39: Jeder kann sich aussuchen ob sie Kanu fahren möchte oder lieber auf dem Zubird stehen will.

00:21:44: Oder manchmal wird auch das große Sub aufgeblasen, wo man da mit zehn Personen drauf sein kann.

00:21:50: Wir sind dann eine Stunde lang oder anderthalb Stunden lang auf den Wasser unterwegs und wir sind dann genug erschöpft und hungrig um dann im Anschluss gemeinsam Abendbrot zu essen.

00:22:01: so ist der zweite Teil des Titels entstanden Brot Und die Bedingung.

00:22:08: du hast in Klasse ganz, ganz riesigen Tisch.

00:22:11: So dass man dort dann in Gemeinschaft super essen kann.

00:22:15: und wir haben die Erfahrung gemacht das man auf diesem Element Wasser einfach diese Stadt ganz anders wahrnimmt als man sie normalerweise wahr nimmt wenn man sonst gehetzt mit dem Auto oder dem Fahrrad über die Straße bei der Hafenbrücke fährt und die dann unterquert mit auf dem Wasser hat da schon mal einen ganz anderen Effekt und entschleunigen Effekt finde ich.

00:22:39: Die Gespräche können laufen gut im Boot, aber hinterher auch beim Abendbrot.

00:22:44: Immer gerne genommen alle Veranstaltungen haben stattgefunden.

00:22:47: das gute war in diesem Sommer dass wir nur einmal absagen mussten wegen Gewitterwarnung.

00:22:52: ansonsten ist es immer gelaufen nicht also diese monat das letzte mal

00:22:59: ja das was man wirklich sehr schön beobachten kann Vielleicht noch mal so ein bisschen einen Schritt zurück, also normalerweise wählen wir in der Regel eher kreativere Zugänge.

00:23:12: In unseren Projekten und dieser sportliche Aspekt fällt bei uns in die Regel eher ein bisschen runter.

00:23:20: Dadurch ist das eine sehr, sehr spannende und fruchtbare Kooperation auch mit den KSK.

00:23:26: Weil eben bei die Institutionen nochmal ganz andere Menschen ansprechen als sie es sonst vielleicht tun würden.

00:23:32: Und was man aber sowohl beim Sport machen als auch beim Kunst machen eigentlich gleichermaßen beobachten kann, ist dass das irgendwo wie so ein Spielzeug in der Mitte steht sich bei den Menschen im Verlaufe dieses gemeinsamen Tuns einfach so ein bisschen was löst in der Brust.

00:23:52: Also gerade jetzt bei den Terminen auf dem Gelände des KSK ist es oft so, dass die Personen erst mal ein bisschen angespannt sind wenn sie ankommen vielleicht auch ein bisschen Sorge haben das sie im Laufe der Veranstaltung ins Wasser fallen was glücklich aber noch nie passiert ist bei uns.

00:24:10: Und wenn dann alle wieder auf dem Land sind, ist das aber total die losgelöste Stimmung.

00:24:15: Alle sind irgendwie fröhlich, sind am Lachen und ja im Essentisch ist es dann wirklich auch überhaupt nicht still so ne?

00:24:23: Wir sind vor Ort um in Zweifeln vielleicht auch mal ein Gespräch anregen zu können.

00:24:28: Aber wir haben beim ersten Mal noch groß was zum Projekt erzählt und haben dann schon festgestellt Es braucht es gar nicht!

00:24:34: Es löst sich selbst etwas und die Menschen kriegen das alleine hin.

00:24:38: Wenn man ihnen erstmal diesen diesen Raum vielleicht auch bietet und sie zusammen am Tisch schützen können, entstehen ganz natürlich dann auch die Gespräche.

00:24:45: Ich glaube das ist auch eine Besonderheit von unseren Angeboten, die uns vielleicht auch von Formaten wie Selbsthilfegruppen oder so unterscheidet dass man jetzt zwangsläufig sich da gar nicht irgendwie äußern muss oder seine eigene Einsamkeit vor allen ausbreiten muss sondern ja es ist eben der Anlasse Alle wissen schon, dass man zu dem Thema irgendwie zusammenkommt und aus diesen Gründen.

00:25:06: Aber ja es nimmt eben... Wir nehmen allen unseren Angeboten so ein bisschen die Direktheit und Schwere.

00:25:12: eben genau dadurch, dass sie so ausgerichtet sind Und das ist glaube ich schon sehr besonders und schließt auch nur Lücke haben wir den Eindruck

00:25:21: Jetzt ist es so, ich versuche es mir mal gerade vorzustellen wie das dann irgendwie ist.

00:25:28: Ich bin jetzt bei einem Angebot dabei was wirklich eine großartige Möglichkeit ist natürlich mit Bewegung Wasser in Gemeinschaft sozusagen.

00:25:37: So jetzt bin ich mit den anderen zusammengekommen und dann gehe ich wieder nach Hause oder so.

00:25:42: Also die Frage für mich ist ja was denn?

00:25:50: Ich bin kein Psychologe, aber ich habe dann erstmal eine gute Zeit.

00:25:55: Ich fühle mich vielleicht auch verbunden mit anderen.

00:25:57: Wenn es ganz gut läuft gibt es vielleicht Kontakte... Vielleicht könnt ihr da auch noch mal was zu sagen wo sich Leute dann untereinander irgendwie connecten und sich dann irgendwie sagen kommen lass mal Kaffee trinken oder man stellt fest dass man das gleiche studiert.

00:26:12: Das sind ja alles so Dinge, aber für mich dieser Punkt.

00:26:16: Du kommst jetzt aus einer Situation wo du für dich eine Einsamkeitsthematik mit dir rumträgst und dann musst du wieder nach Hause.

00:26:26: Dann bist du möglicherweise allein in deinem Apartment oder selbst in deiner WG hast du vielleicht auch keine super Andockpunkte je nachdem wie die WG organisiert ist.

00:26:38: also könnt ihr da was zu sagen?

00:26:40: Ja, also letztlich sind diese Veranstaltungen die wir machen so ein Erstkontakt.

00:26:45: Und das Tolle ist, dass unsere beiden Institutionen – also der Schlachthof mit den vielen Kulturangeboten und auch den Angeboten von mir in Quartier wo Gerrit und Daniel ja arbeiten.

00:26:57: Und von uns von der Katholischen Hochschulgemeinde wir bieten ja in unserem normalen Programm auch Veranstaltungen an, wo Menschen dann sich wiedersehen können oder teilnehmen können.

00:27:08: Für mich sind immer großartige Momente wenn ich mitkriege die tauschen die Telefonnummern aus jeder Veranstaltung gehabt.

00:27:15: Wir hatten zum Beispiel bei der beschriebenen Schokoladenwerkstatt eine längere Pause, weil ja die Schokolade hat werden musste und dann haben wir noch so ein Riesenjänger gespielt und auch da waren ganz viele Leute dabei, die die Nummern ausgetauscht haben und es gibt da ganz sicher einen Wiedersehen zwischen den Leuten.

00:27:36: Da bin ich von überzeugt.

00:27:40: Ist das natürlich schon, wie du es beschreibst oder dass wir es nicht zu hundert Prozent wissen können?

00:27:45: Das was die Bilder beschreibt ist wirklich passiert sehr viel.

00:27:50: Beobachte ich eigentlich nach jeder Veranstaltung dass Nummern ausgetauscht werden.

00:27:54: Aber wir können nur Impulse setzen und wir können die Menschen über diese Formate hinaus nicht begleiten, das ist völlig klar.

00:28:04: Wir verstehen uns aber auch als Impulsgeber.

00:28:13: Sozialarbeiterinnen, die da nahe die Menschen weiter begleiten können.

00:28:18: Sondern wir setzen Impulse und können darauf hoffen dass diese Impulse etwas auslösen in den Personen, die unsere Angebote wahrnehmen.

00:28:28: Und was wir auf jeden Fall aus den Erfahrungen sagen können ist das wir ganz viele Personen haben Die immer wieder zu unseren Angeboten kommen und immer wieder diese Angebote sehr gerne wahrnehmen.

00:28:41: Das sehen wir schon, dass wir Personen haben die auf jeden Fall auch über einen längeren Zeitraum an der Stelle mitbegleiten.

00:28:47: Auch wenn das immer nur zu diesem einen Anlass ist

00:28:52: und wenn jetzt ich meine es ergeben sich ja sozusagen bei dem was ihr beschreibt so auch organisch mehr oder weniger Gesprächssituation vielleicht auch mal Einzelgespräche wo man noch einmal mit einer anderen Person Ein bisschen näher ins Gespräch kommt und ihr habt es ja eben gesagt, also auf der einen Seite sind eure Institutionen stehen dafür dass es viele weitere Angebote gibt wo man halt auch hingehen kann.

00:29:19: Wo man Menschen treffen kann.

00:29:21: ich sag mal so wo ist denn bei euch?

00:29:24: Punkt oder habt ihr einen Sensor dafür, wenn jetzt jemand vielleicht eine professionelle Unterstützung brauchen sollte?

00:29:31: Also es ist ja der Gratisjahr mit unterschmal.

00:29:36: Wie thematisiert ihr das und wie geht ihr damit um?

00:29:41: Ich habe ja vorhin beschrieben, dass wir jeder Person die uns eine Geschichte schickt.

00:29:45: Dass sie eine Rückmeldung bekommt und ein Dankeschön das die Geschichte eingesendet wurde.

00:29:51: Wir hatten auch schon diese Situation, daß wir eine Geschichte bekamen, die wir so in der Form nicht abdrucken wollten weil wir es zu dramatisch fand.

00:30:00: Da haben wir dann nochmal Rücksprache genommen mit der Person und das auch näher besprochen habe ich dann abgefragt, ob die Person denn professionell begleitet wird und das war auch der Fall zum Glück.

00:30:17: Ansonsten hätte ich gesagt such dir bitte jemanden.

00:30:20: was ich in dem Zusammenhang noch erzählen möchte ist alle Geschichten, die wir bekommen, die landen nicht automatisch auf unserer Homepage sondern wie lesen die?

00:30:28: Wir echte Menschen lesen sie!

00:30:31: Und ich muss jetzt ein bisschen... wir schmunzeln hier gerade alle weil nämlich auch mal.

00:30:38: die werden dann sofort online, so wie man das gewöhnt ist wenn man zum Beispiel bei Insta oder so eigene Beiträge macht.

00:30:44: So ist es nicht!

00:30:46: Wir schauen uns die an wir stecken dahinter

00:30:50: und können eben bei Bedarf auch weiter vermitteln.

00:30:53: so wir arbeiten also wir haben im Haus Stellen, wo man sich Hilfe suchen kann.

00:30:59: Wir arbeiten aber auch sehr eng mit der psychosozialen Beratung der Universität Kassel zusammen oder sind in einem engem Kontakt und holen uns da Rat wenn wir eben Situation haben, wo wir das Gefühl haben, da braucht es doch nochmal eine Person die in den Thema professionell beschäftigt ist und die weiterhelfen kann.

00:31:18: Und deine Frage?

00:31:19: zeigt aber auch gleichzeitig was das schon für ein Drahtseilakt ist, den wir im Projekt haben.

00:31:24: Also man sieht es ja schon alleine irgendwie an dem Projekttitel.

00:31:27: also es geht natürlich um eine Enttabuisierung und wir wollen eigentlich genau diese Erfahrungen sichtbar machen.

00:31:34: Aber bei der einen besagten Geschichte haben wir eben lange überlegt, wollen die veröffentlichen oder nicht?

00:31:39: Da haben sie dann mit einer Trigger-Warnung versehen online gestellt.

00:31:44: Es ist eher die Tendenz... In unserem Projekt zu zeigen, man ist eben nicht alleine und jede Erfahrung hat ja auch irgendwie natürlich ihre Berechtigung.

00:31:52: Und es gibt keine falsche Art sich einsam zu fühlen.

00:31:56: und ich glaube auch je mehr man davon in einem angemessenen Rahmen präsentiert und sichtbar macht, dadurch macht man's eben auch thematisierbar und kann auch überlegen was man dagegen tun kann.

00:32:09: Wenn sich jemand über die Plattform meldet, mache ich dann meine Kontaktdaten öffentlich.

00:32:13: Stimme ich dem zu, dass Kontakt mit mir aufgenommen werden kann?

00:32:17: Oder gibt es auch anonyme Meldungen?

00:32:19: Wie ist das organisiert?

00:32:20: Es braucht einen formalen Rahmen, der irgendwie abgesteckt wird!

00:32:27: Also wir fragen das im Formular ab, ob die Person eben anonym oder nicht anonym auftauchen möchte.

00:32:34: Und genau dadurch dass man auch die Kontaktdaten angeben kann haben wir eben auch die Möglichkeit dann den Menschen nochmal zu schreiben.

00:32:41: aber wir veröffentlichen auf der Webseite jetzt keine E-Mail.

00:32:44: also es ist

00:32:45: ja auch

00:32:45: keine Kontaktbörse die wir damit ins Leben rufen wollen obwohl es neulich auch eine Person mal dachte

00:32:56: Wenn die Geschichten offen stehen, es ist da über die Website eine gewisse Interaktion möglich.

00:33:07: auf welche Art auch immer irgendwie anspricht, möglicherweise auch an Triggered.

00:33:12: Dass ich da einen Kommentar da lassen kann oder sowas... Also natürlich alles!

00:33:16: Ich habe gehört was ich halt auch wichtig finde dass das ein kuratiertes Umfeld ist von euch.

00:33:22: also wenn das heißt ihr lesst die Geschichten die eingegeben werden und ihr geht da sehr aktiv und sehr sensibel letztendlich mit um aber so wie ist es mit der Interaktion dann?

00:33:36: Also eine Möglichkeit, wie in einem Forum oder in den sozialen Medien drunter zu kommentieren gibt es nicht.

00:33:45: Das ist auch etwas was wir bewusst nicht so gewählt haben.

00:33:49: das muss man an der Stelle auch moderieren können.

00:33:53: und mal ein negativ Beispiel zu nennen.

00:33:55: also Das Projekt losging hatten wir ein längeres Interview mit einer Betroffenen, die in den Text bei uns eingereicht hat.

00:34:11: YouTube kann man sich diesen Beitrag anschauen und sieht dann dort die Kommentarfunktionen.

00:34:15: Und das ist wirklich einfach komplett unter der Gürtellinie so.

00:34:22: Das ist etwas, wo man dann einfach ein Stück weit die Kontrolle auch abgeben würde, wo ich ganz offen ehrlich sagen muss, damit würden wir die Personen die Texte einreichen zu sehr entblößen an dieser Stelle und dass es wirklich einfach nicht sinnvoll ist Es gäbe natürlich die Möglichkeit, wenn Personen ein Text ansprechen und uns zu schreiben.

00:34:48: quasi ein Mail zu senden und zu fragen ob man da in irgendeiner Form einen Kontakt herstellen kann.

00:34:52: Und dann gäbe es die Möglichkeit, dass wir mit der besagten Person sprechen.

00:34:56: Sowas ist aber bisher noch nicht vorgekommen.

00:34:58: also an dieser Stelle wird die Interaktion nicht wirklich gefördert.

00:35:01: An der Stelle geht es eher darum diese Erfahrungen sichtbar zu machen und vielleicht auch einfach mal unkommentiert so stehen zu lassen.

00:35:08: Auch das ist durchaus eine bewusste Entscheidung.

00:35:12: Okay, bis hierher.

00:35:14: Erst mal ganz herzlichen Dank an unsere Gäste und wir gönnen ihnen uns nochmal eine kleine musikalische Pause und sind dann gleich wieder im Stadtlabor des Freien Radius für Sie da!

00:35:26: Bis gleich!

00:35:29: Willkommen zurück im Stadtlabor des freien radios.

00:35:32: in unserer Sendung vom zehnten september.

00:35:34: zwanzig sechsundzwanzig ist einsamkeit unser thema.

00:35:37: wir haben jetzt schon über das projekt forty-six von hundert ziemlich viel gehört und ich würde ganz gerne jetzt noch mal Weil Projekte ja immer auch eine Laufzeit haben und so weiter.

00:35:49: Also von euch vielleicht an oder an euch als Team noch mal die Frage, seit wann läuft das Projekt?

00:35:54: Wie lange wird es noch laufen?

00:35:56: Gibt es irgendwann ein organisches Ende oder wie ist das?

00:36:01: Und dann natürlich auch so sozusagen wer sind die Projektträger und wie laufen die Dinge sozusagen auf dieser organisatorischen Ebene um?

00:36:10: dann schlagen wir nochmal die Brücke zu dem was ihr in Zukunft noch irgendwie vorstellt.

00:36:16: Also das Projekt forty-sechs von hundert wird ja von zwei Institutionen getragen, also der katholischen Hochschulgemeinde und eben vom Projekt hier im Quartier des Kulturzentrum Schlachthof.

00:36:27: Das heißt die Gelder für das Projekt kommen eben von Seiten der Hochschule Gemeinde vom Bistum Fulda und das Projekt am Schlachthoff ist aus dem Haushalt der Stadt Kassel finanziert.

00:36:40: Das ist natürlich recht mit der Projektlogik, wenn man das Wort hört.

00:36:43: Dann denkt man irgendwie ja ein Projekt hat auch immer irgendwie eine Ende.

00:36:47: Das ist inhaltlich bei forty-six von hundert sehr schwer zu begründen.

00:36:51: also wir werden wahrscheinlich nicht sagen können In zwei Jahren sind null von hunderte jungen Menschen einsam dann machen wir jetzt den Laden dicht.

00:36:58: Also das ist natürlich ein Projekt was eigentlich auf einen längeren Zeitraum ausgerichtet ist.

00:37:05: Und wir haben ja auch diese Plakatwand, die wir immer wieder mit neuen Gestaltungen auf Basis der eingereichten Berichte bespielen.

00:37:11: also es ist durchaus schon länger angelegt und hat jetzt aktuell keinen festen...

00:37:17: Endzeitpunkt,

00:37:19: bei dem wir sagen da hören wir jetzt auf.

00:37:21: Nichtsdestotrotz ist es natürlich eben von einer Förderung abhängig.

00:37:24: also wenn die Stadt Kassel jetzt nächstes Jahr sagt Wir drehen den Geldhahn für hier im Quartier zu dann wird das natürlich schwierig und man müsste sich was anderes überlegen.

00:37:34: aber ja da sind wir natürlich optimistisch dass das nicht passiert.

00:37:41: Okay und das heißt In dem Moment, wo ihr jetzt diese Förderung hat.

00:37:48: Was bedeutet das für mich als Mitmachen?

00:37:50: Von der Kostenseite.

00:37:54: Alle Angebote sind kostenlos.

00:37:56: wie übernehmen die Kosten was unglaublich wichtig ist weil es soll kein Hindernungsgrund sein teilzunehmen.

00:38:05: oft geht Einsamkeit auch einher mit sozialer finanzieller Not und Von daher ist das eine Grundbedingung von uns, übrigens auch sowieso von unseren Institutionen.

00:38:17: Also die anderen Veranstaltungen hier in Quartier sind vorwiegend kostenlos oder vielleicht komplett.

00:38:23: Bei uns nur in Einzelfällen wenn wir selber viele Ausgaben im Vorfeld haben dann kommt es mal vor dass wir einen kleinen Eigenbeitrag nehmen.

00:38:31: ansonsten ist das eigentlich selbstverständlich für

00:38:33: uns Ja und mal unabhängig davon, dass natürlich auch finanzielle Not ein Grund für Einsamkeit sein kann.

00:38:43: Es ist natürlich auch wichtig das wir als Gesellschaft generell bisschen stückweit Probierräume schaffen für Menschen in Notlagen.

00:38:53: denn ich weiß als Person in einer Notlage vielleicht auch nicht immer, was hilft mir denn eigentlich?

00:39:00: Was hilft mir dann eigentlich wenn ich zum Beispiel von Einsamkeit betroffen bin und wenn wir jetzt fünfzehn Euro für die Veranstaltung nehmen müssten?

00:39:10: jetzt nur so mal grob kalkuliert ist keine sonderlich gute Kalkulation.

00:39:14: Dann wäre das schon einfach erstmal etwas was sehr sicherlich sehr viele betroffene Personen ein bisschen zurückhalten würde Weil sie eben gar nicht wissen, hilft mir das.

00:39:25: So ist aber diese Barriere an den Angeboten teilzunehmen wirklich sehr, sehr gering und ich kann vielleicht an dem Tag einfach mal mich ein Stück weit aufrafen uns versuchen um dann festzustellen Das war toll!

00:39:39: Und vielleicht auch als wichtige Erkenntnis festzustelle Kanofan ist jetzt nicht das was mir hilft.

00:39:46: um nochmal auf Boot und Brot zurückzukommen.

00:39:48: Die Teilnehmenden werden von uns auch immer aufgefordert, gerne was mitzubringen.

00:39:53: Und die können auch etwas zurückgeben indem sie dann Salat vorher zusammen rühren und ich glaube das ist auch noch mal ganz schön wenn Sie auch was zurück geben können.

00:40:04: Ja!

00:40:04: Das ist tatsächlich auch wirklich etwas... Wenn wir schauen auf die Erfahrungen in Großbritannien oder in der Niederlande zum Beispiel, dann wird überall hervorgehoben dass es ganz wichtig ist eben um Menschen aus der Einsamkeit rauszuholen sie in diese Maßnahmen.

00:40:27: mit einzubinden, sie ins Tun zu bringen.

00:40:31: Ehrenamt wird immer wieder genannt ist ganz wichtig um eben auch dafür zu sorgen ja dass Menschen das vielleicht auch mit sinnvollen Aufgaben verbinden können.

00:40:43: und auch das was bei unserem Projekt immer mit gedacht ist, dass wir eben diese Erfahrungen nicht nur sammeln sondern noch einmal schauen ist es vielleicht auch eine Person die kann man sinnvoll einbinden.

00:40:57: Als ein Beispiel möchte ich zum Beispiel noch das Angebot Walk and Talk anführen.

00:41:01: Das machen wir jetzt seit vier Monaten ungefähr, das kam zustande weil eine der Studierenden vorgeschlagen hat ja ich kann mich auch mal engagieren.

00:41:11: Ich würde gerne bei euch machen die studiert Psychologie und kam dann auf die Idee Walk & Talk anzubieten.

00:41:19: Das findet einmal im Monat statt.

00:41:22: Treffpunkt ist unsere Plakatwand am Campus an der Diagonal, das übrigens die Adresse.

00:41:28: Direkt hinter dem Pavillon, hinter diesem Café Pavillon und dort hat sie dann Menschen eingeladen mit ihr eine Stunde durchs Quartier zu spazieren.

00:41:39: Schön gemütlich und im Anschluss kann wer will noch mit zur Cake Time kommen, die auch einmal in der Woche stattfindet bei der Katholischen Hochschulgemeinde.

00:41:47: Diese Woche waren fünf Leute.

00:41:49: dabei hat uns sehr gefreut.

00:41:50: das ist jetzt richtig gut angenommen worden Und wir hoffen dass es weitergeht.

00:41:55: Auch da war so dass schon zwei Leute Telefonnummern ausgetauscht haben.

00:42:02: Ich habe nochmal eine Frage zur Teilnehmerschaft.

00:42:07: Also ich sage es mal ein bisschen so, ist Einsamkeit weiblich oder ist Einsammkeit männlich?

00:42:13: Also kann man da was zu sagen.

00:42:15: oder wie sind eure Erfahrungen dazu?

00:42:17: also auch vor dem Hintergrund dass das Klischee natürlich auch so ein bisschen sagt oder auch so das was man so kennt und liest, dass es von der Tendenz ja oft so ist, dass Frauen vielleicht eher da bereit sind was auszuprobieren oder auch Beratung anzunehmen, während Männer oftmals Dinge mit sich ausmachen.

00:42:37: Also könnt ihr sowas feststellen?

00:42:38: Oder ist es irgendwie ganz anders?

00:42:42: Also die Studienlage sagt schon ganz klar, dass Frauen häufiger von Einsamkeit betroffen sind.

00:42:48: Ich muss sagen es ist generell schon immer so das es schwieriger ist Männer in solchen Projekten anzusprechen gerade bei Boot und Brot.

00:42:59: aber zum Beispiel haben wir oft eine sehr ausgeglichene Quote an Teilnehmenden also dass durchaus auch die Hälfte der Teilnehmerinnen auch männlich Und das ist schon immer sehr schön, dann auch zu beobachten.

00:43:15: Wir machen uns natürlich schon auch immer Gedanken darum gerade wenn es um ärztere Themen geht.

00:43:22: Ist es auch in anderen Projekten oft schon eine Beobachtung dass es auf jeden Fall schwerer ist Männer zu erreichen.

00:43:29: ich glaube aber nicht Dass das wirklich daran liegt dass es nicht genug betroffene männliche Personen gibt.

00:43:39: Die Geschichten sind vorwiegend von Frauen eingereicht worden

00:43:42: Hahahaha.

00:43:45: Ja, dann vielleicht an dieser Stelle halt auch der Aufruf.

00:43:49: Wer da das Gefühl hat ja auch einen Beitrag leisten zu können also sich damit erst mal vielleicht zu zeigen und man zeigt sich jetzt gar nicht in dem Sinne richtig sondern es ist ich finde so wie ich es jetzt höre was ihr berichtet ist das hier ein sehr geschützter Rahmen und auch ein sehr gut behüteter Rahmen indem das halt irgendwie stattfindet und dass vielleicht auch nochmal für Menschen die das hören einfach mal sozusagen diese Hürde halt auch zu überspringen oder eben einfach zu einem Angebot hinzugehen und mal zu gucken, das auf sich wirken zu lassen.

00:44:22: Wir haben ja Ich meine, wir bewegen uns jetzt so langsam auf die Zielgrade unserer Sendung zu.

00:44:29: Und ich würde ganz gerne mit euch noch einen kleinen Ausblick wagen!

00:44:32: Also was habt ihr denn noch auf dem Zettel?

00:44:34: Jetzt sage ich mal für dieses Jahr... Wir sind jetzt im September.

00:44:37: Ihr habt auch vorhin gesagt, dass bestimmte Angebote an Jahreszeit gekoppelt sind und im Winter vielleicht auch nicht so ganz ideal ist.

00:44:47: Was habt ihr da für Pläne?

00:44:50: Was wollt ihr noch machen?

00:44:50: Was würdet ihr noch gerne

00:44:52: anschieben?!

00:44:53: Und vielleicht damit verbunden auch die Frage, was wünscht ihr euch natürlich auch an Unterstützung?

00:44:59: Also von wem auch immer.

00:45:02: Also in erster Linie möchten wir sehr gerne betroffene Personen dazu ermutigen ihre Texte einzureichen – an dieser Stelle nochmal eben auf der Webseite www.SeksonFürzigVonHundert.de.

00:45:15: Es wird in Kürze ein neues Plakat eingeweiht werden.

00:45:20: Wir haben in mehreren Texten das Thema Gesundheit, was immer wieder aufgegriffen wurde und möchten entsprechend zu diesem Thema noch mal so ein Stück weit einen Raum öffnen mit zwei Veranstaltungen.

00:45:35: Auch hier werden wir eine Person, die einen Text eingereicht hat, mit Einbinden, die einem Workshop geben wird im Oktober – da freuen wir uns auf jeden Fall schon sehr drauf!

00:45:47: Ja, und wir freuen uns auch über Kooperationsangebote von Vereinen oder Einzelpersonen vielleicht Ideen haben, wie der KSK.

00:45:57: Vielleicht kann man da hier innerhalb der Stadt auch noch mal in anderen Bezügen was zusammen machen?

00:46:04: Ja das ist auf jeden Fall... ich glaube Gerrit hat gleich bestimmt nochmal ein sehr kluges Schlusswort zu.

00:46:10: Aber Kooperation ist etwas wo wir alle feste Überzeugung sind, die ungewöhnlicher die Kooperation des so fruchtbarer ist, die häufig.

00:46:21: Genau

00:46:21: und wer

00:46:22: Haben ja schon spätestens heute gelernt, dass Thema Einsamkeit betrifft zu viele.

00:46:26: Also das lässt natürlich auch viele unterschiedliche Kooperationen und Formate zu.

00:46:34: Richtig kluges wollte, kann ich gar nicht mehr zum Abschluss sagen.

00:46:36: Aber ich wollte natürlich nochmal Werbung dafür machen auch vor Ort auf dem Campus am holländischen Platz sich die Plakatwand anzuschauen.

00:46:45: wir haben sie noch gar nicht lobend erwähnt.

00:46:46: Alina Dietz ist die Künstlerin die Illustratorin die für uns die Gestaltungen bisher alle umgesetzt hat und das sind wirklich tolle Arbeiten.

00:46:54: die finde ich auch nochmal visuell eine bisschen andere Perspektive auf das Thema Einsamkeit werfen, dem Ganzen vielleicht auch vom Erscheinungsbild ein bisschen die Schwere nehmen.

00:47:05: und ja, das versuchen wir ja auch in unserem

00:47:08: Projekt.

00:47:09: Und ich möchte abschließend auch nochmal einen Dank an die Universität Kassel richten, die uns nämlich auf eine sehr unkomplizierte Art und Weise quasi die Erlaubnis erteilt hat diese Wand dort zu erstellen!

00:47:21: Wir kriegen da noch immer Großunterstützung.

00:47:24: Ja dann Ich sage mal, bis hierher.

00:47:28: Erstmal ganz herzlichen Dank an unsere Gäste und ich sage nochmal ganz kurz wer das war.

00:47:34: Das war Sibylle Lachnitz von der katholischen Hochschulgemeinde Und dann noch Daniel Groß und Gerrit Retterath vom Kulturzentrum Schlachthofe, Projekt hier im Quartier.

00:47:45: Also falls da jemand sich mal schlau machen möchte also ganz herzlichen Dank für diese Impulse!

00:47:51: Wir können von hier aus natürlich den Projekt nur alles Gute wünschen und viele kreative neue Ideen die wir vielleicht während der Projektlaufzeit entwickeln.

00:48:02: Insgesamt wäre es natürlich super wünschenswert wenn in einer Gesellschaft leben, wo wir über solche Projekte vielleicht nicht sprechen müssten.

00:48:11: Also so das ist jetzt natürlich auch sehr pathetisch gesprochen aber das wäre ja dann halt auch ein Zustand wo man vielleicht auch hinarbeiten könnte.

00:48:20: In diesem Sinne noch mal ganz, ganz herzlichen Dank an euch für das engagierte Mitstreiten und wir verabschieden uns jetzt aus der Sendung wieder mit einer Musik und sind dann in vier Wochen im Stadtlabor des Freien Radius wieder da.

00:48:35: Bis dahin!

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.